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Merken   Drucken   10.01.2006, 20:20 Schriftgröße: AAA

Tops + Flops 2006: Ebay setzt Rivalen unter Druck

Das milliardenschwere Geschäft im Internet boomt. Onlinehändler heizen den Wettbewerb mit aggressiver Preispolitik an, doch die traditionellen Händler rüsten auf. von Christiane Ronke und Thomas Hillenbrand, Hamburg
Scott Lee, Wal-Mart-Chef   Scott Lee, Wal-Mart-Chef
Lee Scott, Chef des weltgrößten Handelskonzerns Wal-Mart , überraschte bei einem Kongress im vergangenen Frühjahr das Auditorium. Auf die Frage, wer Wal-Marts wichtigster Wettbewerber sei, sagte er: "Vielleicht Ebay." Das Publikum lachte zwar, doch Scott meinte es ernst.
Wie auch andere große Einzelhändler hat der Marktführer nach einigem Zögern entschieden, der Onlinekonkurrenz nicht länger das Feld zu überlassen. Im vergangenen Jahr bestimmte Scott das Internet zum strategischen Wachstumsfeld und baute das Internetangebot auf dem Heimatmarkt USA stark aus. Bis auf Lebensmittel kann der Kunde bei walmart.com heutzutage fast alles bestellen.
Auch etliche deutsche Ladenbetreiber wollen 2006 Ernst machen. Die Metro -Tochter Media Markt startete im Sommer 2005 mit einem großen Angebot im Netz. Die Elektronikkette hatte lange gezögert, denn ihren Händlern vor Ort war an vergleichbaren Preisen nicht gelegen. Doch zu der Entscheidung gab es keine Alternative: "Bei Elektronik muss ein Händler im Internet präsent sein, weil er sonst zu viel Marktanteil abgibt", sagt E-Commerce-Experte Chehab Wahby von OC&C Strategy Consultants.
Preisvergleichsseiten bringen Margen unter Druck
Auch in anderen Segmenten wird E-Commerce im kommenden Jahr der Wachstumstreiber sein. In Deutschland lag der im Web erzielte Einzelhandelsumsatz nach Angaben von Jupiter Research 2005 bei 10,6 Mrd. Euro. Im laufenden Jahr soll er dem Marktforscher zufolge auf 13,8 Mrd. Euro klettern - von derartigen Zuwächsen kann der herkömmliche Einzelhandel nur träumen. Entsprechend hat sich Karstadts Versandhaustochter Neckermann - zumindest nach außen hin - in ein Dotcom-Unternehmen verwandelt. Seit Anfang des Jahres firmieren die Frankfurter unter Neckermann.de.
Screenshot von neckermann.de   Screenshot von neckermann.de
Neckermanns Wettbewerber wie Otto oder Quelle haben sich bereits als Onlineanbieter etabliert. Klassische Warenhäuser wie Karstadt oder Kaufhof hingegen hinken hinterher. Sie hatten ihre Onlineambitionen nach Misserfolgen zunächst begraben. "Die Idee vom Onlinekaufhaus funktionierte nicht", sagt Wahby. Mittlerweile finden die Kunden unter karstadt.de allerdings wieder ein Warenangebot. Vor allem aber dienen die Websites den Kaufhauskonzernen zu Marketingzwecken - etwa um ein Sonderangebot zu bewerben. Mark Mulligan, Analyst bei Jupiter Research, hält die Zurückhaltung für einen Fehler. "Es gibt ein riesiges Potenzial an Kunden, die jetzt das Internet entdecken, aber nie bei Amazon oder Ebay bestellen würden. Die könnte Karstadt mit seinem vertrauten Namen gewinnen." Eine aus Sicht der großen Einzelhändler unerfreuliche Entwicklung ist die zunehmende Bedeutung so genannter Preisvergleichsseiten. Auf guenstiger.de und ähnlichen Plattformen kann der Kunde binnen Sekunden herausfinden, welcher Händler ein Produkt am billigsten anbietet. Das bringt die Margen unter Druck. Vorbild Amazon Den Markt durcheinander wirbeln könnte die Ebay-Tochter Shopping.com, die seit Ende 2005 in Deutschland präsent ist. "Wir sind mit etwa zwei Millionen Produkten an den Start gegangen", sagt Geschäftsführer Helmut Becker. Man habe bereits Kooperationen mit Quelle, Neckermann.de oder Tchibo vereinbart. Trotz verstärkter Webpräsenz ist es unwahrscheinlich, dass einer der großen deutschen Einzelhändler dem unangefochtenen Platzhirsch Amazon.de kurzfristig den Rang ablaufen kann. "Amazon schafft es, aus seinen Bestandskunden Jahr für Jahr mehr herauszuholen", sagt Analyst Mulligan. "Anfangs kaufen die Leute nur CDs oder Bücher, später dann Videorekorder oder andere hochwertige Sachen." Entsprechend bleibt das in Deutschland seit noch nicht einmal einem Jahrzehnt präsente Unternehmen das Vorbild für die Alteingesessenen: Das Ziel, eine möglichst gut sortierte Einkaufsdestination im Netz zu werden, hat sich beispielsweise Otto von Amazon abgeschaut: Der Weltmarktführer integriert seit längerem Spezialshops bei Amazon.de, um unter dem eigenen Dach ein möglichst komplettes Sortiment anbieten zu können. Otto macht es nach, auch Neckermann.de will diesen Weg gehen. "Die Versender versuchen, mit der Öffnung ihrer Plattform Amazon und Ebay Paroli zu bieten", sagt Analyst Wahby. "Die Frage ist, ob sie damit nicht zu spät kommen." Die Auf- und Absteiger 2006 in der E-Commerce-Branche Amazon Der Marktführer dürfte seine Position halten oder sogar ausbauen können. Durch ein ausgeklügeltes Empfehlungssystem gelingt es Amazon besser als anderen Einzelhändlern, den Umsatz je Bestandskunden kontinuierlich zu steigern. Amazon.de verzeichnete im Weihnachtsgeschäft 2005 alle fünf Sekunden eine Bestellung. Der neueste Trend: In den Vereinigten Staaten ist das Dotcom dazu übergegangen, bestellte Waren zur Abholung auch bei Buchketten wie Waldenbooks zu hinterlegen, statt sie per Post zu verschicken. Ebay Durch eine stärkere Ausrichtung auf professionelle Verkäufer will die deutsche Dependance des Internetauktionshauses ihren Marktanteil im Einzelhandel steigern. Vor allem Fachhändler und kleine Spezialanbieter nutzen die Plattform, um eine Onlinepräsenz aufzubauen - insgesamt gibt es bei Ebay derzeit 50.000 Shops, die unter eigenen Markennamen auftreten. Die Zahl wird nach Meinung von Experten weiter steigen. Auch die Kundenzahl könnte noch zulegen. Im November zählte Ebay gut 18 Millionen Besucher. Otto.de Mit einem Onlineumsatz von etwa 2,8 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2005 ist Otto nach eigenen Angaben inzwischen der zweitgrößte Internetversandhändler der Welt. Die Zuwachsraten sind zwar zweistellig, doch ist das Internet im Wesentlichen nur ein anderer Bestellweg. Zudem bekommt Otto zunehmend Konkurrenz durch Anbieter wie Ebay. Otto hat sein Onlineportal zwar auch für Fremdanbieter geöffnet, die Frage ist aber, ob der Versandhändler damit nicht zu spät kommt. Neckermann.de Die KarstadtQuelle-Tochter will künftig weitaus stärker als bisher auf den Bestellweg Internet setzen. Ein erster Schritt dazu war die Umbenennung des Neckermann-Versands ab dem 1. Januar in Neckermann.de. Das E-Commerce-Geschäft verbucht nach Firmenangaben zweistellige Wachstumsraten. Wie Otto.de wird der Onlineshop von Neckermann zur offenen Vertriebsplattform für externe Partner ausgebaut. Doch auch Neckermann.de gerät durch Ebay unter Druck.

Lesen Sie weiter, wer 2006 im E-Commerce wichtig wird

  • Aus der FTD vom 11.01.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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