Touch&Travel:Bahn erlebt Debakel mit virtueller Fahrkarte
Mit großem Tamtam hat die Bahn den Ticketkauf per Handy eingeführt. Schon nach wenigen Tagen muss der Konzern ein peinliches Datenleck einräumen.
Ein technologisches Experiment sollte das virtuelle Ticket der Deutschen Bahn werden - und ein Prüfstein, ob Systeme mit Near-Field-Technologie (NFC) je markttauglich werden. Der Dienst Touch&Travel der Bahn zählt zu den größten Projekten in Europa mit dem neuen Übertragungsstandard. Bereits einen Tag nach der Einführung steht fest: Das Experiment ging gründlich schief.
So hat die Bahn sich das vorgestellt: Eine Zugbegleiterin kontrolliert den Fahrkartencode, der im Handy gespeichert ist.
Denn bei der Anmeldung zum elektronischen Fahrscheinsystem trat ein gravierendes Leck auf, musste die Bahn einräumen. Sensible Daten von Kunden, die sich neu registriert hatten, waren in der Anmeldemaske auch für nachfolgende Kunden einsehbar. Zu sehen waren Adresse, Telefonnummer und Bankverbindung.
Ein Betroffener habe daraufhin die Bahn informiert, teilte ein Sprecher des Konzerns mit. Das Registrierungsportal wurde deshalb bis auf weiteres gesperrt. Dies bleibe so, "bis der Fehler gefunden ist", sagte der Sprecher. Alle anderen Funktionen auf der Bahn-Website seien nicht betroffen und könnten genutzt werden.
Für "Touch & Travel" braucht man ein Handy und ein spezielles Zusatzprogramm (App). So kann man sich bei Reiseantritt anmelden und bei Fahrtende wieder abmelden. Ein Fahrschein aus Papier ist bei diesem Verfahren nicht mehr nötig. Für den Konzern ist der Service eine der größten Kundeninitiativen der vergangenen Jahre. Vorstandschef Rüdiger Grube hofft, den Ticketkauf so einfacher und für mehr Menschen attraktiv zu machen.
NFC seit Jahren als aussichtsreiche Technik für das Bezahlen per Handy oder für Transport- und Logistikdienste. Dutzende Konzerne, darunter Google oder die Deutsche Telekom, arbeiten an mobilen Bezahldiensten per NFC-Technik. Doch der Durchbruch ist bislang ausgeblieben: Händler klagen über zu wenige NFC-Handys im Markt und rüsten ihre Kassen nicht um, Handyhersteller reagieren zögerlich, weil es kaum Anwendungen gibt.
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