Der Medizinkonzern Fresenius hat weiterhin fest vor, den privaten Klinikbetreiber Rhön mit der Konzerntochter Helios zur größten deutschen Krankenhauskette zu verschmelzen. Fresenius-Chef Ulf Schneider soll zusammen mit Rhön-Gründer und Mehrheitsaktionär Eugen Münch intensiv an einem neuen Deal arbeiten, hieß es in Finanz- und Branchenkreisen. Die Aktienkurse von Fresenius und Rhön schnellten daraufhin um zehn Prozent nach oben. Beide Unternehmen wollten die Gerüchte nicht kommentieren.
Erst Ende Juni war Fresenius mit einem Kaufangebot an die Rhön-Aktionäre gescheitert. 3,9 Mrd. Euro hatte der DAX-Konzern für die Übernahme des Klinikbetreibers geboten, dann aber statt der angestrebten 90 Prozent nur 84 Prozent der Aktien angedient bekommen. Die hohe Anteilshürde orientierte sich an der Zustimmungsquote, die laut Satzung von Rhön notwendig ist, um Kapitalmaßnahmen und Satzungsänderungen uneingeschränkt durchführen zu können. Die Klinikkonkurrenten Asklepios und Sana sowie der Medizintechnikhersteller Braun hatten zwischenzeitlich Aktienpakete gekauft und so den Deal vorerst verhindert.
Bereits Anfang August hatte Fresenius-Chef Schneider angekündigt, im Monatsverlauf eine Entscheidung über das weitere Vorgehen zu treffen. Die Herabsenkung der Aktienzahl auf 50 Prozent plus eine Aktie gilt als eine Möglichkeit für einen neuen Versuch. Dann könnte Fresenius zwar nicht bei Rhön durchregieren, hätte aber bei Abstimmungen über die Besetzung des Aufsichtsrats und Dividenden eine Mehrheit.
Ein erneuter Versuch müsste nicht nur aus Reputationsgründen klappen. Der gescheiterte Deal hat Fresenius Beratungskosten von 26 Mio. Euro beschert. Während der Konzern mit einem Halbjahresumsatz von 9,2 Mrd. Euro diese Summe verkraften kann, wird Rhön von der Hängepartie deutlich belastet. Ein einstelliger Millionenbetrag an Kosten sei nun angefallen. Im ersten Halbjahr hat die von Rhön-Gründer und Aufsichtsratschef Münch mit Fresenius ausgehandelte Übernahme das Ergebnis der Klinikkette vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 10,2 Prozent auf 145 Mio. Euro gedrückt. Der Umsatz legte wegen höherer Patientenzahlen um 7,1 Prozent auf 1,4 Mrd. Euro zu. Vorstandschef Wolfgang Pföhler schloss in der zweiten Jahreshälfte weitere Belastungen aus dem gescheiterten Übernahmeangebot nicht aus.
mit Reuters