Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat Expansionspläne in Europa. "Die britische ist eine sehr gut aufgestellte Flugsicherung", sagte Klaus-Dieter Scheurle, der Aufsichtsratsvorsitzende der DFS, im Gespräch mit der FTD. Zwischen der deutschen und der britischen Flugsicherung könnten sich hochinteressante Synergieeffekte ergeben. Zudem bekäme die DFS Zugang zu einem anderen sogenannten Air-Block. Aus diesen Blöcken setzt sich der europäische Luftraum zusammen. Scheurle sagte, durch einen Einstieg in Großbritannien würde die DFS noch stärker am Markt der Atlantikflüge teilhaben. Auch könnte sie eine Perspektive in den Beneluxstaaten bekommen.
Scheurle spricht nicht nur als oberster Kontrolleur der DFS, sondern auch als ihr möglicher zukünftiger Chef. Der heutige Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium gilt als aussichtsreichster Kandidat, sein Minister Peter Ramsauer (CSU) wird seinen offiziellen Personalvorschlag aber erst im Herbst machen.
Scheurle beklagte die heutige starke Fragmentierung des europäischen Luftraums. "Dadurch erreicht Europa weniger Effizienz als Lufträume, die sich in der Hand einer einzigen Flugsicherungsorganisation befinden." Als Positivbeispiel nannte er die USA. Die von der EU-Kommission gestartete Initiative "Single European Sky" sei richtig, stoße aber in der Praxis auf Schwierigkeiten. So sei die deutsche Flugsicherung als GmbH organisiert, Frankreich habe dagegen eine Behörde. Zudem seien in dem Nachbarland die zivile und die militärische Flugsicherung getrennt.
Scheurle kritisierte auch, dass die EU-Kommission von allen europäischen Flugsicherungen eine Kostensenkung um zehn Prozent in vier Jahren verlangt. "Von pauschal von Brüssel verordneten Kostensenkungen halte ich wenig", sagte er. "Besser ist eine nationale Regulierung und eine engere Kooperation der europäischen Flugsicherungen untereinander."
Gleichwohl soll es bei der DFS deutliche Veränderungen geben. "Wir brauchen in der DFS eine verbesserte Kultur der Kommunikation zwischen Management und Arbeitnehmervertretungen", sagte Scheurle. Außerdem sei ein straffes Kostenmanagement nötig. Er halte zwar nichts von Szenarien wie dem des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften, wonach die Personalkosten der DFS bis 2016 um 22 Prozent steigen werden. "Allerdings brauchen wir maßvolle Abschlüsse, um das Unternehmen handlungsfähig zu halten", so Scheurle. Die Personalkosten machten rund drei Viertel des Gesamtbudgets der DFS aus. "Die Fluglotsen haben eine sehr starke Tarifmacht. Aber damit geht auch Verantwortung für das Unternehmen einher."
Scheurle sagte, es sei ein Wettbewerbsnachteil, dass die Fluglotsen in Deutschland erst nach langen Schulungen den Flughafen wechseln könnten. Hier seien Verbesserungen möglich. Eine Ausgliederung der IT-Abteilung aus der DFS sei dagegen unwahrscheinlich geworden. Die IT sei das Handwerkszeug der Flugsicherung und solle im Unternehmen bleiben.