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Eigentlich serviert er die Getränke. Nicoley Baublies ist Flugbegleiter bei der Deutschen Lufthansa . Doch derzeit ist der 39-Jährige weniger für den Service der Passagiere an Bord im Einsatz. Er bereitet sich am Boden auf die Entscheidung in einem harten Tarifkonflikt mit seinem Arbeitgeber vor. Und am Mittwoch steht Baublies' erste große Feuerprobe als Gewerkschaftschef bevor.
Gemessen daran wirkte er vor wenigen Tagen durchaus entspannt. In einem Lokal im schicken Frankfurter Westhafen, mit Blick auf den Main, ließ er große Gläser Cola bringen und erklärte die Gemengelage. Zum ersten Mal führt Baublies eine Tarifauseinandersetzung an. Erst vor knapp fünf Monaten war er an die Spitze der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (Ufo) gewählt worden.
Und die Mitglieder wollen nun endlich Erfolge sehen. Sie wollen höhere Löhne, bessere Einstiegsgehälter, eine deutliche Gewinnbeteiligung. Dafür wollen sie kämpfen und notfalls den Flugbetrieb bestreiken. Drei Jahre lang haben die rund 19.000 Stewardessen und Stewards der Lufthansa Nullrunden akzeptiert. Jetzt verlangt die Ufo eine Anhebung von fünf Prozent. Das Lufthansa-Management, das einen tiefgreifenden Restrukturierungsprozess anstoßen will, findet diese Forderung unangemessen "Wir verhandeln über Zugeständnisse, nicht über Verteilungsmasse", heißt es im Konzern.
Solche Rhetorik gehört zum Ritual in Tarifauseinandersetzungen, so werden Positionen abgesteckt. Das weiß auch Baublies, der bereits seit 2008 in der Tarifkommission seiner Gewerkschaft mitmischt. Seit dem Abend in Frankfurt jedoch ist eine Woche verstrichen, die Stimmung mittlerweile gereizter. Zumal die Lufthansa inzwischen einen Teilsieg erreicht hat: Die Ufo wollte auch den bis Ende 2014 laufenden Manteltarifvertrag aufschnüren und Leiharbeit in den Flugzeugkabine verhindern. Damit ist die Gewerkschaft gescheitert.
Am Mittwoch wird sich nun zeigen, ob Arbeitgeber und Arbeitnehmer rasch und ohne Arbeitskampf zueinanderfinden. Die Lufthansa will ein Angebot vorlegen. "Es wird sich zeigen, ob es für uns verhandelbar ist", sagt der Gewerkschaftschef. Zuversicht klingt allerdings anders.
Mit der Schlagkraft seiner Organisation hatte es zuletzt etwas gehapert. Zwar sieht sich die Ufo als "Sprachrohr der Kabine" und vertritt gegenüber den deutschen Fluglinien die Interessen des Kabinenpersonals, das sind immerhin rund 36.000 Beschäftigte.
Doch die Ufo-Führung lieferte sich immer wieder interne Grabenkämpfe. Von einem Hühnerhaufen war die Rede, von Unprofessionalität. Daraufhin wurde die Vorstandsriege abgelöst. Baublies und seine Kollegin Sylvia de la Cruz gingen bei den Vorstandswahlen als Sieger hervor. Seitdem läuft es intern wieder ruhiger. Doch Baublies weiß, dass die Erwartungen an ihn hoch sind. Sein Mandat ist eindeutig, 97,5 Prozent der Ufo-Mitglieder haben im Vorfeld für Arbeitskampfmaßnahmen gestimmt.
Abwechslung hatte Baublies gesucht, als er vor zehn Jahren zur Lufthansa wechselte. Zuvor hatte er als IT-Berater gearbeitet. "Die ständige Bildschirmarbeit fand ich öde", sagt er. Flugbegleiter hingegen seien an Bord oft als Psychologen und Betreuer gefragt -"und zwischendurch, da verteilen wir Essen und Getränke". Statt Service könnte Baublies den Passagieren bald aber jede Menge Unannehmlichkeiten bereiten. Wenn er das Angebot der Lufthansa ablehnt und zum Streik aufruft. Darüber wird er mit der zwölfköpfigen Ufo-Tarifkommission entscheiden. Unterstützung bekommt er von dem bei Arbeitgebern gefürchteten Tarifrechtsexperten Dirk Vogelsang. Der hat sich auf Splittergewerkschaften spezialisiert und bereits für die Fluglotsen und Lokführer weitreichende Forderungen durchgesetzt.