Exklusiv
TUI treibt den Konzernumbau voran: Die Aufsichtsräte von Europas größtem Reiseanbieter wollen sich nach FTD-Informationen auf ihrer Sitzung in der kommenden Woche mit der Möglichkeit befassen, die noch ausstehenden Anteile an der britischen Reisetochter TUI Travel aufzukaufen.
von Jennifer LachmanHamburg
Diskutiert werden solle auch ein Aktientausch, durch den ebenfalls ein integrierter Konzern entstünde. Ein baldiger Verkauf der Containertochter Hapag-Lloyd wäre derzeit günstig, da die Reederei kürzlich gute Zahlen vorgelegt hatte. Hinzu kommt, dass branchenübergreifend ein erneutes Abgleiten der US-Wirtschaft in die Rezession befürchtet wird. Der Aufsichtsrat wird keine finale Entscheidung treffen. Üblicherweise stellt er auf solchen Treffen die Weichen für Optionen die dann mittel- bis langfristig umgesetzt werden.
Die "Berlin Express" der Hapag-Lloyd-Flotte: Die TUI-Containertochter soll verkauft werden
Die weltweite Wirtschaftskrise und die Beinaheinsolvenz von Hapag-Lloyd hatten TUI-Chef Michael Frenzel bereits einmal bei der Fokussierung auf die Touristik zu einer Pause gezwungen. Schon im Frühjahr 2009 hatte der Aufsichtsrat den Vorstand damit beauftragt auszuloten, wie das bei der TUI AG gebündelte Hotel- und Kreuzfahrtgeschäft mit TUI Travel verflochten werden kann. An dem Unternehmen, das 2007 aus der Fusion der TUI-Reisesparte mit dem Wettbewerber First Choice entstand, halten die Hannoveraner 57,5 Prozent.
Das Rekordquartalsergebnis der Konzerntochter Hapag-Lloyd forciert die Umbaupläne zusätzlich: Dem Vernehmen nach gibt es mehrere Interessenten für den 43,3-Prozent-Anteil, den TUI hält. Mit dem Erlös wäre es möglich, die fehlenden Anteile an TUI Travel aufzukaufen. An der Londoner Börse wird das Unternehmen momentan mit 2,25 Mrd. Pfund (2,72 Mrd. Euro) bewertet. Das gilt als günstig: Da das Geschäft in Großbritannien nicht gut läuft, wagte Konzernchef Peter Long zuletzt nur eine recht verhaltene Prognose.
Dem Aufsichtsrat sollen am Donnerstag kommender Woche zunächst die verschiedenen Optionen für die Verwertung von Hapag-Lloyd präsentiert werden. Das 43,3-Prozent-Paket bewertet TUI mit 1,2 Mrd. Euro. Zudem hat der Konzern der Containerreederei Darlehen und Hybridkapital in Höhe von 1,3 Mrd. Euro gewährt, die teilweise in weitere Anteile gewandelt werden können.
TUI-Chef Michel Frenzel
Weichenstellung erwartet
Die Kontrolleure werden dem Vernehmen nach auf ihrer Sitzung keine endgültige Entscheidung treffen, da der Verkauf von Hapag-Lloyd noch nicht beschlossen ist. Konzernchef Frenzel, dessen Vertrag im Frühjahr 2012 ausläuft, will seinem Nachfolger nach diversen Strategieschwenks einen reinen Touristikkonzern übergeben. Ein TUI-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.
Pikant ist, dass der Großaktionär Alexej Mordaschow, der über einen Vertrauten im Aufsichtsrat vertreten ist, erst am Freitag angekündigt hatte, dass er bei der TUI AG auf mehr als 25 Prozent aufstocken will. Laut Juristen handelt es sich bei den Inhalten einer Strategiesitzung jedoch nicht um kursrelevante Informationen.
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