Für die internationale Expansion braucht die Beratungsfirma Geld. Die Miteigner haben das frische Kapital gebilligt. Ein Verkauf scheint dennoch nicht endgültig vom Tisch.
von Sven Oliver ClausenHamburg
Die Unternehmensberatung Roland Berger hat Geld für ihren Neustart eingesammelt. Bei einem Treffen in Stockholm genehmigten die etwa 170 Partner einen entsprechenden Plan von Aufsichtsratschef Burkhard Schwenker und Vorstandschef Martin Wittig. Über Eigenkapital und Mezzanine schießen die Miteigner der größten deutschen Unternehmensberatung gut 90 Mio. Euro zu. Die Zustimmungsquote lag FTD-Informationen zufolge bei mehr als 75 Prozent - der Annahmeschwelle, die Schwenker intern ausgegeben hatte.
Unternehmensgründer Roland Berger
Das frische Geld gibt der Firma mit einem Jahresumsatz von zuletzt etwa 600 Mio. Euro die Chance zur Expansion über Europa hinaus. Bislang ist Roland Berger nur in Deutschland und Frankreich unter den Marktführern. Der Neustart wurde nötig, nachdem Ende 2010 der Verkauf an die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte am Widerstand der Partner und des Gründers Roland Berger gescheitert war.
Wittig und Schwenker hatten diese Kombination zuvor damit beworben, dass Roland Berger weltweit wachsen müsse, um mit großen Konkurrenten wie McKinsey und Boston Consulting Group mithalten zu können. Mit dem neuen Geld sollen in Asien und den USA Büros eröffnet und neue Branchen erschlossen werden.
Die Firmenführung hatte ihren Partnern die Geldspritze schmackhaft gemacht. So stellte sie etwa Finanzierungsvarianten vor, die sie mit Banken ausgehandelt hatte. Zudem garantiert sie für jeden Euro eine Rendite von acht Prozentpunkten über dem Interbankensatz Libor.
Beobachter halten es allerdings für möglich, dass Roland Berger für Verkaufsgespräche offen bleibt. Große Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wie eben Deloitte, aber auch PricewaterhouseCoopers und KPMG sondieren den Markt, um sich mit Zukäufen das hochmargige Feld der Unternehmensberatung zu erschließen - und Wachstumsschwächen im Kerngeschäft Wirtschaftsprüfung abzufedern. Dabei würde Gründer Roland Berger weiter eine Schlüsselrolle zufallen: Er soll mit rund 50 Mio. Euro den größten Anteil an der Finanzspritze geleistet haben.
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