Die Nachfragen der Journalisten bei der Vorstellung der aktuellen Quartalszahlen brachten Lanxess-Finanzvorstand Matthias Zachert nicht in Bedrängnis. Die Zahlen, die der Spezialchemiekonzern vor Kurzem präsentierte, konnten sich ohnehin sehen lassen, Umsatz und Gewinn waren stark gestiegen. Deshalb kündigte das Unternehmen auch an, das interne Sparpaket "Challenge09-12" teilweise auszusetzen. Die mehr als 6000 deutschen Tarifmitarbeiter erhalten wieder volles Weihnachtsgeld, Arbeitszeitverkürzungsregelungen werden auslaufen. Was diese Maßnahmen Lanxess zusätzlich kosten, wollte da ein Reporter wissen. Raten oder schätzen musste Zachert nicht: "Wir gehen von 20 Mio. Euro Zusatzbelastungen im Jahr aus", sagte er - wie aus der Pistole geschossen.
Es wäre peinlich, wenn Zachert sich verkalkuliert hätte und öffentlich zurückrudern müsste. Schließlich hat das Unternehmen die Gewinnprognosen für das Jahr bei der Vorstellung der Zahlen sehr selbstbewusst angehoben. Doch selbst wenn ein überraschender Geschäftseinbruch wider Erwarten bremsen oder die Kosten für den Abbruch von "Challenge09-12" aus dem Ruder laufen sollten, kann Zachert flexibel reagieren und so sicherstellen, dass die Profitabilität bei Lanxess trotzdem stimmt.
Mehr als ein Krisenfrühwarnsystem
Die Grundlage dafür ist ein verlässliches integriertes Berichtswesen. Bei der Gründung von Lanxess hat die ehemalige Polymersparte von Bayer schon 2004 die Weichen dafür gestellt, dass den Verantwortlichen alle steuerungsrelevanten Kennzahlen für Entscheidungen und zukunftsgerichtete Kalkulationen zur Verfügung stehen. Im Frühjahr 2006 wurden weltweit standardisierte digitale Berichtsprozesse und -systeme eingeführt. "Ergebnis ist, dass wir nun über ein integriertes Berichtswesen verfügen, welches uns eine deutliche Verbesserung der Datenqualität und damit eine bessere Unterstützung bei den Unternehmensentscheidungen gibt", erläutert Zachert.
Eigentlich war das integrierte Berichtswesen auch als Krisenfrühwarnsystem gedacht. Durch die Einführung sei man "besser in der Lage, frühzeitig einzugreifen, wenn sich das operative Geschäft abschwächen sollte ", sagte Zachert bei der Präsentation 2006. Nun aber zeigt sich: Auch wenn wieder Wachstum auf der Agenda steht, ist Lanxess dank des integrierten Berichtswesens flexibel und kann etwa gegenüber dem Kapitalmarkt genau beziffern, was Änderungen im Sparprogramm für Auswirkungen haben.
Schritt halten mit den Märkten
Ähnliche Erfahrungen machen viele Unternehmen, die ihr Berichtswesen als strategisches Planungswerkzeug nutzen. Integrierte Systeme erlauben es im Zuge von kontinuierlichen Planungsprozessen, Abweichungen von den Zielen schnell zu erkennen und zu reagieren. Genau das macht sie zu einem Schlüsselwerkzeug für Unternehmen, die angesichts des durch Globalisierung und Digitalisierung weiter zunehmenden Wettbewerbs vor Herausforderungen stehen. 80 Prozent der mehr als 1100 Vorstandschefs, die IBM Global Business Services befragte, konstatieren, dass ihr Unternehmen einem erheblichen, extern bedingten Veränderungsdruck ausgesetzt ist.