Deutschlands größtes Verbraucherportal Verivox wechselt nach einem Streit um die Geschäftspolitik seine Führung aus. Nach FTD-Informationen haben Unternehmenschef Alexander Preston und der für das operative Geschäft zuständige Richard King ihre Posten aufgegeben. Einzig Co-Geschäftsführer Thomas Prangemeier behält seinen Job. Damit ist keiner der Altmanager mehr im Amt, die den Stromvergleichsrechner bis zum Einstieg des Finanzinvestors Oakley leiteten. Als Ersatz für Preston kommt der Onlinemanager Chris Öhlund. Der Deutsch-Schwede leitete zuletzt das Digitalgeschäft der Mediengruppe Blick aus der Schweiz.
Die Personalien deuten darauf hin, dass Oakley bei Verivox durchregiert. Die Briten hatten Ende 2009 für rund 20 Mio. Euro 51 Prozent der Anteile erworben. Nach FTD-Informationen wollten Oakley sowie die beiden Alteigentümer Preston und Andrew Goodwin das Vergleichsportal Anfang 2011 wieder abstoßen. Das Interesse bei Investoren war groß. Der Deal scheiterte jedoch an der überzogenen Preisvorstellung von rund 400 Mio. Euro - was für Oakley einen Gewinn von fast 1000 Prozent in gut einem Jahr bedeutet hätte.
Mit dem Platzen des Geschäfts hätten die Verivox-Eigner eine einmalige Chance vergeben, heißt es in der Branche. Der damalige Verkaufsprozess stand unter dem Eindruck eines Umsatzwachstums von 62 Prozent und einer operativen Marge von 45 Prozent 2010. Verivox verdient sein Geld mit Provisionen, die fließen, wenn ein Kunde mithilfe des Portals seinen Stromanbieter wechselt. Für 2011 liegen zwar noch keine Zahlen vor - den Informationen zufolge sind die Erlöse aber von vormals 51 Mio. Euro abrupt zurückgegangen. Die Wachstumsstory ist erst mal dahin.
Im Februar reagierte Verivox mit dem Rauswurf von 47 Mitarbeitern - einem Fünftel der Belegschaft. Dieser Schritt war intern hoch umstritten. King habe sich durch seinen Rückzug von der neuen Geschäftspolitik distanzieren wollen, heißt es. Mutmaßungen, auch zwischen Preston und Oakley habe es Knatsch gegeben, wies die Sprecherin zurück. Als Beleg führte sie an, dass Preston seinen 24,5-Prozent-Anteil behält und als Aufsichtsrat weitermacht.