Derzeit laufen die Verhandlungen mit dem Unternehmen. Der Kaufpreis wird auf 80 bis 100 Mio. Euro beziffert. Das Vorhaben soll nach FTD-Informationen bereits in der kommenden Woche verkündet werden.
Für die Bahn hat diese Akquisition eine zweifache strategische Bedeutung. Einerseits will das Unternehmen seine Präsenz im stark wachsenden osteuropäischen Markt verstärken. Andererseits soll die Phantasie der künftigen Bahn-Aktionäre angeregt werden. DB Mobility Logistics (DB ML) will in der letzten Oktoberwoche zu 24,9 Prozent an den Aktienmarkt gehen. Wesentlicher Bestandteil der Börsengeschichte sind die Wachstumsperspektiven in der Speditions- und Logistiksparte, dem mit Abstand größten Umsatzträger von DB ML.
Romtrans mit Sitz in der rumänischen Hauptstadt Bukarest ist ein ehemaliger Staatsbetrieb, der 1994 privatisiert wurde. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben 2007 rund 78 Mio. Euro umgesetzt, beschäftigt 1300 Mitarbeiter und gehört mehreren rumänischen Privatleuten. "Zahlreiche Interessenten haben sich bereits Romtrans angeschaut", sagte ein Spediteur der FTD. Die Marktchancen werden überwiegend als positiv dargestellt. Rumänien, seit Januar 2007 Mitglied der Europäischen Union, sei ein aufstrebender Wirtschaftsstandort, verfüge nur über eine unterentwickelte Speditions- und Logistikbranche, die sich zudem konsolidiere, sagte ein anderer Spediteur. "Für unser Geschäft ist das alles wie ein trockener Schwamm", stellte er fest.
Problematisch sei allerdings, dass Romtrans als einstiges Staatsunternehmen nicht sonderlich profitabel sei, hieß es in der Branche. Das Unternehmen schleppe zudem Altlasten wie etwa viele nicht mehr benötigte Grundstücke und Reparaturwerkstätten mit sich herum. Da DB-ML-Logistikvorstand Norbert Bensel vor allem an der Spedition, dem Logistiknetzwerk, dem kombinierten Transport mit der Bahn sowie dem Hafenbetrieb am Schwarzen Meer interessiert ist, dürften zahlreiche Immobilien von Romtrans abgespalten werden.
Für die Anfang Juni neu gegründete DB ML ist das fest eingeplante Vorhaben in Rumänien die erste Akquisition. Zuletzt hatte der Bahnkonzern 2007 mit Spain-Tir einen Spediteur übernommen. Der Preis für das spanische Unternehmen belief sich auf 143 Mio. Euro, bei einem Jahresumsatz von rund 180 Mio. Euro.
Die Logistiksparte von DB ML spürt mittlerweile ebenfalls die Abkühlung der Weltkonjunktur. Das organische Wachstum schwindet, die Erträge geraten auch wegen der Kostensteigerungen im Energie- und Personalbereich zunehmend unter Druck. Bereits im ersten Halbjahr musste das Speditions- und Logistikgeschäft einen Ertragseinbruch von 8,2 Prozent hinnehmen. Der Schienengüterverkehr hingegen legte zu.