Otto übernimmt als Sammelbecken für alle großen Namen des deutschen Nachkriegsversandhandels nun auch noch den von Neckermann und hofft auf eine kleine Sonderkonjunktur wie nach der Pleite von Quelle. Man habe die Adressdateien und die Markenrechte aus der Insolvenzmasse von Neckermann übernommen, schrieb Deutschlands letzter großer Versandhändler in einer am Donnerstag verschickten Mitteilung. Beides solle verwertet werden.
Otto wiederholt damit seine Strategie nach der Quelle-Schließung im Herbst 2009. Damals wechselten heimatlos gewordene Quelle-Kunden auf der Suche nach einer Alternative zu Otto. Hohe Umsatzzuwächse in seinem deutschen Versandhandelsgeschäft sorgten bei Otto monatelang für gute Laune. Allerdings ging später der Versuch, Quelle selbst im Internet weiterleben zu lassen, nicht wie geplant auf. Die Marke startete im vergangenen Herbst als Handelsplattform für externe Anbieter. Inzwischen ist das Konzept wieder beerdigt. Otto-Chef Hans-Otto Schrader räumte in diesem Sommer ein, "die Strahlkraft der Marke überschätzt" zu haben.
Trotzdem will Otto nach eigenem Bekunden auch diesmal wieder einen Versuch starten, den Namen zu nutzen. "Neckermann ist eine traditionsreiche Marke, die wir für die Unternehmen der Otto Group nutzen wollen", wird Ottos Multichannel-Konzernvorstand Alexander Birken in der Firmenmeldung zitiert. "Wir arbeiten an entsprechenden Konzepten."
Über die Höhe des Kaufpreises ist nichts bekannt. Markenrechte und Adresskarteien aus Insolvenzmasse werden aber meist bestenfalls für einstellige Millionenbeträge gehandelt.
Neckermann war Ende September diesen Jahres geschlossen worden. Die Firma war in der Wirtschaftswunderzeit mit Kampfpreisen zum größten deutschen Versender vor Quelle aufgestiegen. In den 70ern geriet sie aber auch wegen ihres Billigimages in eine Existenzkrise, von der sie sich nie wirklich erholte. 2010 setzte Neckermann noch 1,3 Mrd. Euro um. Zum Vergleich: Quelle kam 2007/08 auf 2,5 Mrd., der gesamte Otto-Konzern 2011/12 auf 11,6 Mrd. Kleinere deutsche Versender wie Baur oder Schwab gehören schon lange zu Otto. Der Konzern leidet dafür inzwischen selbst unter Konkurrenz durch Amazon und Spezialanbieter.