Wenn zwei Welten, die bislang nichts miteinander zu tun haben, vernetzt werden, ist das eine Herkulesaufgabe. Kein Wunder also, dass Clemens Frank, der bei der Unternehmensberatung IBM Global Business Services die Lösungen im Bereich der Unternehmens- und Konzernplanung verantwortet, gerade im Projektstress steckt. "Wir sind vom CIO gefragt worden, ob wir nicht eine integrierte Planung einführen können", sagt er. Auf der einen Seite, bei der Finanzplanung, sei der Auftraggeber gut aufgestellt. Auf der anderen Seite, beim Einkauf, bei der Produktions- und bei der Ressourcenplanung, funktioniere die IT-Unterstützung ebenfalls ganz ordentlich. "Das Problem ist aber, diese Dinge zusammenzuführen."
Die Quartalszahlen und andere Ergebnisauswertungen des Kunden sind korrekt und werden auch ohne großen Aufwand erstellt. Die Planberichterstattung ist aber noch lange nicht so genau, wie sie sein könnte. "Hohe Lagerbestände sind noch nicht in sie einbezogen", erläutert Frank. Und bei der Frage, in welchem Werk und an welchem Band man welchen Kundenauftrag am besten abarbeiten sollte und wie sich diese Entscheidung auf das Unternehmensergebnis auswirkt, ist das Management oft auf Abstimmungen per Mail und Telefon sowie auf grobe Kalkulationen angewiesen. "Das dauert, und mitunter gehen auch Informationen verloren, so dass wichtige Faktoren nicht berücksichtigt werden", warnt Frank.
Falsche Einschätzungen
Dieses Unternehmen ist kein Einzelfall. "Heute gibt es in der Praxis eine Vielzahl Medienbrüche in den Prozessen", sagt Werner Felten, Geschäftsführer des Softwarehauses Felten Group aus Serrig in Rheinland-Pfalz: "Die Vertriebsmitarbeiter können bei eiligen Kundenwünschen die Realisierbarkeit nicht einschätzen, weil sie mangels entsprechender Daten die Ressourcensituation in der Produktion nicht kennen." Die Gefahr ist, dass Anbieter zu optimistische Terminzusagen machen. "Umgekehrt sind die Produktionsverantwortlichen nicht in der Lage, die Wirtschaftlichkeit von Aufträgen zu bewerten, da ihnen der Zugriff auf die entsprechenden Finanzdaten fehlt", sagt Felten: "Stattdessen wird meist mit früheren Kalkulationen gearbeitet, obwohl sich möglicherweise die Einkaufspreise oder Deckungsbeiträge deutlich verändert haben. Dann wundern sich plötzlich alle, dass trotz einer hohen Auslastung nur eine geringe Rentabilität besteht."
Gerade falsch kalkulierte Produktionsentscheidungen können gravierende Auswirkungen haben. Das gilt zum Beispiel für Lebensmittelhersteller: Die meisten Großbäckereien, Getränkehersteller, Schokoladen-, Suppen- oder Keksproduzenten lieben und fürchten zugleich die Aufträge der großen Discounter wie Aldi, Lidl oder Netto. Sie bringen viel Geld, blockieren aber mit großen Auftragsvolumina und engen zeitlichen Vorgaben oft die gesamte Produktionsstrecke. "Wenn ein Auftrag von Aldi reinkommt, wird die ganze Fabrik angehalten und dieser Auftrag abgearbeitet, weil das so ein wichtiger Kunde ist", verrät ein Mitarbeiter eines norddeutschen Lieferanten von Backwaren: "Ob sich das wirklich rechnet, weiß man aber nicht."
Nur lose verbunden
Doch nicht nur beim Zusammenspiel zwischen Finanzabteilung und Produktion hakt es vielerorts. 40 Prozent der Chief Financial Officer (CFOs), die der Einkaufssoftwareanbieter Basware befragte, erklären, dass in Sachen Transparenz auch zwischen Beschaffungs- und Finanzabteilung Verbesserungsbedarf besteht. Trotzdem ist der Grad an Verzahnung der Systeme, die beide Bereiche benutzen, immer noch relativ gering. Nur ein Sechstel der Befragten setzt bei der Übermittlung von Daten zwischen den Bereichen auf automatisierte Lösungen. Die Mehrheit vertraut noch immer auf manuelle Prozesse.