Visa und Mastercard haben sich in einem milliardenschweren Vergleich einen seit 2005 währenden Rechtsstreit mit US-Einzelhändlern vom Hals geschafft. Die Kreditkartenfirmen zahlen in einem der größten Kartellvergleiche der amerikanischen Geschichte 7,25 Mrd. Dollar an die Einzelhändler.
Damit kommen Visa und Mastercard aber noch verhältnismäßig günstig davon: Die Gebühren, die von den Klägern als abgesprochen und zu hoch kritisiert worden waren, dürfen weitgehend auf dem gleichen Preisniveau bleiben. Die Händler allerdings können die Kosten für Kreditkartenzahlungen künftig erstmals in Form von Gebühren auf ihre Kunden abwälzen. Auch einige Banken, darunter JP Morgan Chase, die Bank of America und Wells Fargo, sollen einen Teil zur Entschädigungssumme beisteuern.
Mehr zu: Mastercard, Visa
Die Meinungen über die Folgen des Vergleichs gehen weit auseinander. Die Kreditkartenunternehmen feierten ihn als Erfolg, schließlich erspart er ihnen noch längere kostspielige Rechtsstreitigkeiten. Lediglich einen "Schritt in die richtige Richtung" nannte hingegen der demokratische US-Kongressabgeordnete Peter Welch den Vergleich. Das Problem exzessiver Gebühren und undurchsichtiger Geschäftspraktiken bleibe bestehen.
Verbraucherschützer warnen vor Belastungen für Kunden. Es ist allerdings unklar, ob viele Einzelhändler es riskieren werden, Kunden mit Extrakosten für Kreditkartenzahlungen zu vergrätzen. Auch einige Händler sind nicht zufrieden: "Dieser Vergleich erlaubt es den Kreditkartenunternehmen, weiter die Preise und Regeln zu diktieren", sagte Tom Robinson, Vorsitzender des Kleinhändlerverbands National Association of Convenience Stores.
Zwar sieht der Vergleich, der von einem Gericht abgesegnet werden muss, eine Senkung der Gebühren vor, die Einzelhändler für Kreditkartenzahlungen leisten müssen - aber nur um 0,1 Prozent über acht Monate. Das soll die Kreditkartenfirmen rund 1,2 Mrd. Dollar kosten, zusätzlich zu 6 Mrd. Dollar, die sie direkt an die Händler zahlen. Visa und Mastercard haben dafür Geld zurückgelegt. Die Einzelhändler zahlen jedoch pro Jahr laut dem Branchenverband National Retail Federation rund 30 Mrd. Dollar Gebühren an die Kreditkartenkonzerne.