Kaum eine Straße gibt sich internationaler als der berühmte "Strip", der durch die amerikanische Glitzermetropole Las Vegas führt. Hier reiht sich eine Miniaturversion der Freiheitsstatue an den Eiffelturm, und selbst eine Nachbildung der antiken Sphinx ist nur wenige Palmen entfernt. Vielen ist dies jedoch noch nicht global genug: Zunehmend drängen Investoren aus Übersee in das Spielerparadies; mit einer neuen 4,6 Mio. $ teuren Kampagne will die Stadt verstärkt ausländische Besucher zurück an die Kasinotische locken.
"In Las Vegas bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen", sagt William Thompson, Professor für öffentliche Verwaltung an der örtlichen University of Nevada. Bis 2010 sollen in Las Vegas 40.000 neue Hotelzimmer entstehen, zusätzlich zu den 133.000, die es schon gibt. Erst jüngst gab die vom gleichnamigen Emirat kontrollierte Investmentholding Dubai World bekannt, dass sie sich zu 25 Prozent an einem neuen milliardenschweren Resort des US-Kasinobetreibers MGM Mirage beteiligen will. "Wir glauben fest, dass sich der Markt in Las Vegas ausweiten wird", begründete Aufsichtsratschef Sultan Ahmed Bin Sulayem diese Investition.
Um dies zu gewährleisten, will die Tourismusorganisation Las Vegas Convention and Visitors Authority (LVCVA) in den kommenden Jahren gezielt nicht-amerikanische Besucher ansprechen. Zwar besuchten im vergangenen Jahr 39,8 Millionen Gäste - und damit mehr als je zuvor - die Stadt. Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ist der Anteil der ausländischen Gäste jedoch kontinuierlich gesunken. Stammten vor den Attacken auf das World Trade Center und das Pentagon noch rund 18 Prozent der Kasinogäste nicht aus den USA, ist dieser Wert mittlerweile auf 13 Prozent eingebrochen. "Im Gegensatz zu anderen Ländern investieren die USA nicht in Tourismusmarketing im Ausland", sagt Terry Jicinsky, Senior Vice President für Marketing bei der LVCVA. Zudem wurden die Einreisebestimmungen deutlich verschärft; manche Reisende haben Angst vor weiteren Anschlägen.
Um die Auslastung auch neuer Hotels auf dem gewohnt hohen Niveau von 90 Prozent zu halten, hat die LVCVA daher ihr Budget für internationales Marketing um 4,6 Mio. $ auf 16,8 Mio. $ aufgestockt. Damit gibt sie inzwischen rund 14 Prozent ihres Gesamtbudgets für Werbung im Ausland aus. Hauptzielgruppe sind nach Aussage des Tourismusexperten Jicinsky potenzielle Besucher aus Kanada, Mexiko und Großbritannien.
So soll der offizielle Slogan "What happens in Vegas stays in Vegas" auf Spanisch übersetzt und in Mexiko ausgestrahlt werden. Zudem sollen die bisherigen Anzeigen dem britischen Humor angepasst werden. Für den deutschen Markt ist keine direkte Werbung geplant; stattdessen will die LVCVA dort verstärkt mit Reiseveranstaltern, Messen und Fluglinien zusammenarbeiten. Dabei würde Las-Vegas-Kenner William Thompson von der University of Nevada mehr direktes Engagement in Deutschland begrüßen: "Seit die viel besuchte Show von Siegfried und Roy eingestellt wurde, hat Las Vegas für viele Deutsche an Attraktivität verloren." Die beiden Künstler mussten ihre Aufführung 2003 beenden, nachdem Roy von einem weißen Tiger angefallen und schwer verletzt wurde.
Seit Ende der 90er darf zudem auch auf Macau, einer Halbinsel vor Hongkong, gewettet und gespielt werden. "Schon jetzt haben die Kasinos dort nach eigenen Angaben so viel erwirtschaftet wie der Strip in Las Vegas", sagt Thompson. Das vorrangig chinesische Publikum werde auch künftig eher nach Macau als nach Las Vegas fahren: "Solche Gäste reizt nicht das Verspielte oder Glamouröse, dort geht es ums schnelle Geld", sagt Thompson.
In Las Vegas sieht man die asiatische Konkurrenz dagegen gelassen: Mit Unternehmen wie der Las Vegas Sands Corporation sind dort auch US-Konzerne vertreten. "Wir sehen daher in dieser Entwicklung weniger Konkurrenz, sondern eher die Chance, in Macau Werbung für den Heimatstandort Las Vegas zu machen und so unseren Markt zu vergrößern", sagt Terry Jicinsky von der LVCVA.