Metro hat den Verkauf der Supermarktkette Real vorerst gestoppt. Die Pläne würden wegen der bevorstehenden Ablösung von Metro-Chef Eckhard Cordes derzeit nicht weiterverfolgt, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen der FTD. Ein Metro-Sprecher bestätigte: "Wir haben in den letzten Monaten mit mehreren Interessenten für Real Gespräche geführt und Optionen für Verkauf und Partnerschaften geprüft. Derzeit laufen von unserer Seite keine aktiven Gespräche mehr."
Cordes hatte immer wieder versucht, Real und Kaufhof zu veräußern - um stattdessen die Investitionen der Großhandelssparte Cash & Carry und des Elektrohändlers Media-Saturn in Asien zu stärken. Zugleich warten Metros Großaktionäre um die Haniels auf eine Sonderausschüttung. Für Kaufhof interessieren sich seit Kurzem die österreichische Immobiliengruppe Signa und Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen. "Wir versuchen herauszufinden, ob es ernsthafte Interessenten sind. Das sollte jetzt schnell gehen", sagte Cordes am Donnerstag. Verkauft werde nur, wenn Preis und Konzept stimmten.
Zumindest auf Real bleibt Metro bis auf Weiteres sitzen. Für Real gälten alle Optionen, "das geht bis zum Verbleib in der Metro-Familie", betonte der Metro-Sprecher. Die Zukunft der Kette mit 52.000 Mitarbeitern dürfte auch davon abhängen, wer Metro künftig führt. Setzt sich Metro-Vorstand Joël Saveuse durch, wird Metro Reals Sanierung wohl zunächst selbst vorantreiben. Saveuse hat diese jahrelang geleitet. "Er wird kaum als Erstes sein eigenes Baby verkaufen", heißt es in der Branche.
Als letzter Bieter war bis vor Kurzem noch der britische Finanzinvestor Apax Partners im Rennen. Apax' Offerte bewertet Real aber nur mit gut 1 Mrd. Euro - Metro stellt sich Finanzkreisen zufolge etwa doppelt so viel vor. Branchenschätzungen zufolge steht Real bei Metro mit etwa 2 Mrd. Euro in den Büchern, was in Metro-Kreisen als "zu hoch" zurückgewiesen wird.
Apax' letzter Vorschlag sah vor, dass der Investor 51 Prozent erwirbt und die übrigen 49 Prozent beim Metro-Konzern verbleiben - der insofern von einer künftigen Wertsteigerung hätte profitieren können. Dafür wollte Apax insgesamt 580 Mio. Euro ausgeben, wovon 150 Mio. Euro Real in Form einer Kapitalspritze zufließen sollte. An Metro hätte der Investor somit nur 430 Mio. Euro gezahlt. "Das Gebot von Apax ist als nicht attraktiv genug bewertet und schon vor Wochen zu den Akten gelegt worden", sagte der Metro-Sprecher.
Teil 2: Umbau von Real reicht noch nicht