Zu gefährlich und unökologisch: Mit diesen gängigen Vorurteilen gegen die 25 Meter langen Lastwagen räumt ein Modellversuch in NRW auf. Laut den Experten ist das Gegenteil der Fall.
von Jens TartlerBerlin
Der Technische Überwachungsverein (TÜV) hat den sogenannten Gigalinern, Lastwagen in Überlänge, ein hervorragendes Prüfzeugnis ausgestellt. Im Abschlussbericht zum Modellversuch in Nordrhein-Westfalen heißt es, die Gigaliner könnten "technisch sicher und verkehrstechnisch gefahrlos betrieben werden". Auf den 1,7 Mio. zurückgelegten Kilometern sei es weder zu Unfällen noch zu ernsthaften Gefährdungen anderer Verkehrsteilnehmer gekommen. Auch mit Kurven und kleineren Straßen seien die Gigaliner problemlos zurechtgekommen.
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Überraschend an dem Bericht von TÜV Rheinland und TÜV Nord ist seine Eindeutigkeit. Bisher hatten viele Experten Bedenken, dass die Gigaliner mit ihrer Länge von gut 25 Metern in Kreisverkehren oder auf verengten Autobahnspuren Schwierigkeiten bekämen. Auch vor Gefahren für andere Verkehrsteilnehmer wurde häufig gewarnt.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) dagegen startet in diesem Jahr einen bundesweiten Feldversuch mit den Lkw. Die Gigaliner sollen vor allem auf Punkt-zu-Punkt-Verbindungen auf Autobahnen eingesetzt werden. Zuvor hatten mehrere Bundesländer eigene Tests erlaubt. Insbesondere SPD-regierte Länder lehnen die Gigaliner grundsätzlich ab. Neben Sicherheitsbedenken führen sie das Argument an, die Lang-Lkw würden noch mehr Verkehr von der Schiene auf die Straße holen. Auch der Logistikverband BGL sieht die Gigaliner immer noch kritisch. "Sie sind nur für Autobahnen geeignet", sagte Geschäftsführer Karlheinz Schmidt.
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Normale Lkw sind höchstens 18,75 Meter lang, die Gigaliner 25,25 Meter. Beim Gewicht überschritten die im Modellversuch eingesetzten Lang-Lkw allerdings nicht die bisherigen Grenzen von 40 Tonnen und 44 Tonnen für den kombinierten Verkehr Straße-Schiene. Damit sind sie besonders geeignet für relativ leichte, aber voluminöse Güter. Die Wirtschaft dringt seit Jahren auf den Einsatz von Gigalinern, sie erhofft sich von ihnen Kostensenkungen. Im Idealfall können zwei Lang-Lkw drei normale Gespanne ersetzen. In Finnland, Schweden und den Niederlanden werden Gigaliner bereits eingesetzt, Norwegen und Dänemark planen ebenfalls die Einführung.
Im Feldversuch in NRW berichteten die beteiligten Unternehmen, die Gigaliner seien wirtschaftlicher und umweltschonender als normale Lkw, weil das Verhältnis aus Transportleistung und Kraftstoffverbrauch günstiger sei. Eine ergänzende Verkehrsfluss-Simulation der RWTH Aachen ergab, dass der Einsatz von Gigalinern die Gesamtzahl der Lkw senken und damit den Verkehrsfluss verbessern würde.
Die TÜV-Gutachter weisen aber darauf hin, dass die Gigaliner wegen der höheren Zahl von Achsen eine Motorleistung von mindestens 300 Kilowatt haben sollten. Auch müssten sie mit allen modernen Assistenzsystemen zur Abstandshaltung und Notbremsung ausgerüstet werden.
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