Fast ganz Deutschland setzt inzwischen auf die Gesundheitswirtschaft. Die Politik tut das vor allem, weil sie dort ein großes Potenzial für neue Arbeitsplätze vermutet. Initiativen entstanden, und Gesundheitsregionen etablierten sich, um die Branche zu vernetzen und den erhofften Jobmotor Gesundheitswirtschaft auf Touren zu bringen. Nicht mehr die Kosten des Gesundheitssektors stehen im Mittelpunkt, sondern die dort erbrachte Wertschöpfung und vor allem die Arbeitsplätze.
Und die Kennzahlen der Branche sind beachtlich: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts betrugen die Gesundheitsausgaben im Jahr 2007 insgesamt mehr als 250 Mrd. Euro. Damit machten diese Ausgaben 10,4 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts aus. Fast 4,5 Millionen Menschen arbeiten im Gesundheitssektor.
Die Branche ist somit ein wirtschaftliches Schwergewicht, und viele Experten rechnen auch für die Zukunft mit einem deutlichen Wachstum. Es wird erwartet, dass eine alternde Gesellschaft mehr Produkte und Dienstleistungen im Gesundheitsbereich nachfragt. Der medizinische Fortschritt schafft neue Angebote, dazu kommt ein verändertes Gesundheitsbewusstsein: Mehr Menschen sind bereit, auch mehr eigenes Geld für Gesundheit und Lebensqualität auszugeben. Deshalb wird die Gesundheitswirtschaft von manchen gar als Dampfmaschine des 21. Jahrhunderts angesehen - als eine Branche, die zum Zugpferd für die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Jahrzehnte werden wird.
Die Gesundheitswirtschaft - das ist nicht nur das klassische Gesundheitswesen mit seinen Vorleistungs- und Zulieferindustrien wie der medizintechnischen und augenoptischen Industrie, dem Gesundheitshandwerk oder der pharmazeutischen Industrie, sondern mehr: Dazu gezählt wird der sogenannte zweite Gesundheitsmarkt, der die Bereiche Ernährung, Sport und Freizeit, Gesundheitstourismus und auch Wohnen umfasst. Schätzungen über den Umfang dieses zweiten Gesundheitsmarkts gehen weit auseinander: Das Bundesgesundheitsministerium taxiert ihn auf mindestens 15 Mrd. Euro pro Jahr. Das Beratungsunternehmen Roland Berger geht von 60 Mrd. Euro aus, zählt jedoch umfassend Bereiche mit Gesundheitsbezug wie Wellness, Fitness, Biolebensmittel dazu.