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Doch auf die großen Hoffnungen folgte Ernüchterung: Daten zur eigentlichen Qualität der Behandlung lieferten die wenigsten Kliniken. 90 der 2144 Krankenhäuser haben ihre Berichte bis heute nicht geliefert; ihnen drohen im schlimmsten Fall Budgetkürzungen. Qualitätsberichte mussten erstmals Ende August 2005 veröffentlicht werden
Die Häufigkeit von Komplikationen und die so genannte Sterbewahrscheinlichkeit bei den Eingriffen sollten die Kliniken im freiwilligen Teil des Berichts auflisten. Das haben sie in den meisten Fällen nicht getan. Stattdessen enthalten die bis zu 100 Seiten starken Berichte vor allem Strukturdaten: die 30 häufigsten Diagnosen eines Hauses, die fünf wichtigsten Eingriffe, die zehn häufigsten Operationen. Dazu die personelle Zusammensetzung des Ärzte- und Pflegeteams und Angaben zur technischen Ausrüstung.
"Immerhin ein erster Schritt"
Über die Form der Berichte hatten sich die Spitzenverbände von Krankenhäusern und Kassen in einer gemeinsamen Vereinbarung verständigt. "Das war ein Kompromiss. Man hätte ahnen können, dass da nur ein dürftiges Ergebnis herauskommt", sagt Markus Reiland, Bereichsleiter für Qualitätssicherung bei der Bundesgeschäftsstelle der Barmer. "Aber immerhin war es ein erster Schritt, denn vorher gab es gar nichts." Auch Helga Kühn-Mengel, Patientenbeauftragte der Bundesregierung, kritisiert die Zurückhaltung der meisten Kliniken mit den Risikodaten: "Der Patient will ja wissen, wo er aller Wahrscheinlichkeit nach gut behandelt wird - und genau das kann er noch nicht wirklich aus dem Bericht ersehen." Nun sei es von besonderer Bedeutung, die Berichte patientengerecht zu präsentieren.
"Wir arbeiten im Moment immer noch die Daten auf", sagt Beate Wiegard vom Verband der Angestellten-Krankenkassen (VdAK). Die meisten Krankenhäuser haben ihre Berichte in ganz unterschiedlichen Formaten eingereicht, auf die Suchmaschinen teilweise nicht zugreifen können. Unter der VdAK-Adresse www.klinik-lotse.de kann sich der Patient immerhin schon anzeigen lassen, welche Krankenhäuser in seiner Region einen bestimmten Eingriff durchführen. Auf diese Datenbank greifen die meisten Ersatzkassen mit ihren Suchmaschinen zu. Ein Link führt dann zum Qualitätsbericht jeder Klinik. Die Ergebnisse werden alphabetisch angezeigt; eine Empfehlung für ein bestimmtes Krankenhaus ergibt sich aus der Suchanfrage jedoch nicht.
Rankings von Krankenhäusern
Die AOK hatte kurz vor Erscheinen der Berichte angekündigt, noch 2006 Rankings von Krankenhäusern ins Netz zu stellen, wie es sie schon seit Jahren in Frankreich, Großbritannien und den USA gibt. In Deutschland ist das momentan aber auf Grund der Rechtslage nicht möglich: Eine Empfehlung für eine bestimmte Klinik käme Werbung gleich, und die ist in Deutschland für medizinische Leistungen verboten.
Dem Problem mit der geringen Aussagekraft der Daten aus den Qualitätsberichten begegnet die AOK mit ihrem "Krankenhaus-Navigator". Zusätzlich zu Daten aus den Qualitätsberichten wie Anzahl der Betten und der durchgeführten Operationen liefert die Suchanfrage Angaben zu Verweildauer und Altersdurchschnitt der Patienten. Die hat die Krankenkasse ihren eigenen Datenbeständen entnommen. Auch die Techniker Krankenkasse bereitet ein Suchsystem vor, bei dem die Daten des Klinik-Lotsen mit eigenen Informationen ergänzt werden. Auf den Klinik-Lotsen des VdAK greifen inzwischen monatlich 65.000 Nutzer zu, auf der AOK-Seite informieren sich jeden Monat durchschnittlich 100.000 Versicherte.
Die Barmer möchte in Zukunft auf Krankenhäuser hinweisen, die freiwillig Angaben zu Sterbewahrscheinlichkeit und Häufigkeit von Komplikationen gemacht haben. "Offen empfehlen dürfen wir einzelne Häuser nicht", sagt Markus Reiland von der Barmer. "Aber wir können sagen: Diese Klinik bietet offensichtlich eine gute Qualität, das ist aus den Daten ersichtlich."
Auch Stefan Etgeton, Gesundheitsreferent der Verbraucherzentralen, will mehr: "In Zukunft wünsche ich mir in den Suchergebnissen Aussagen über die tatsächliche Qualität der Behandlung."
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