Großkrankenhäuser mit mehr als 1000 Betten werden künftig "rare Ausnahmen" sein. Die meisten Häuser der Schwerpunkt und Maximalversorgung, etwa Kliniken in Großstädten, benötigen künftig nicht mehr als 700 Betten, sagt Berater Reinhard Wichels. "Sinkende Verweildauern und verbesserte Abläufe ermöglichen es, in Häusern dieser Größenordnung zwischen 30.000 und 40.000 Patienten zu versorgen." Noch in den 90er Jahren waren dazu Kliniken mit Kapazitäten von mindestens 1000 Betten vonnöten. Und pro Bett wurde mit einem Raumbedarf von 80 Quadratmetern kalkuliert, heute wird mit 45 bis 50 Quadratmetern gerechnet. "Die mit dieser Differenz verbundenen Mehrkosten sind enorm", sagt Experte Wichels.
Drei Typen von Krankenhäusern gehört den Beratern zufolge die Zukunft: kleine Kliniken mit maximal drei Fachrichtungen, Häuser zur allgemeinen Patientenversorgung mit bis zu 400 Betten und Großkliniken mit bis zu 700 Betten, die sehr spezialisierte Leistungen anbieten.
Produktivität des Personals entscheidend
Entscheidend für das Überleben der Häuser wird künftig auch die Produktivität des Personals sein, also der Ärzte und Pflegekräfte. Die Berater errechneten, dass zwischen den produktivsten und unproduktivsten Kliniken ein "dramatisches Gefälle" besteht. So habe eine bundesweite Analyse von 70 Häusern mit mehr als 300 Betten ergeben, dass die Differenz zwischen den besten und den schwächsten Einrichtungen 69 Prozent beträgt. Bei einer zusätzlichen Untersuchung von 40 Kliniken in Berlin, bei der miteinbezogen wurde, dass die Schweregrade von Behandlungsfällen unterschiedlich sein können, betrug der Unterschied 45 Prozent. "Diese Differenzen sind nicht zu rechtfertigen", sagt Experte Wichels. Noch sei es möglich, solch gravierende Schwächen mit hohen Preisen zu kaschieren. Spätestens im Jahr 2009, wenn in Deutschland ohne Einschränkungen nach den so genannten Fallpauschalen abgerechnet wird, gerieten die Kliniken jedoch voll in den landesweiten Wettbewerb.
Als Allheilmittel bietet sich die Möglichkeit von Zusammenschlüssen an, zum Beispiel die gemeinsame Nutzung von Großgeräten wie Computer- und Magnetresonanztomografen. Erfolgreich sei aber nur eine "Liebesheirat", sagt Berater Wichels. Etwa Fälle, in denen die Zusammenarbeit für alle Beteiligten attraktiv sei. Das komme aber selten vor. Häufiger sei das Modell "Romantiker", bei dem die Kooperation nur von einzelnen Mitarbeitern getrieben werde und kein Austausch von Wissen stattfinde.