Berater empfehlen Ärzten kostengünstige Alternativen zu teuren Medikamenten
Für ihren Berufsstand gibt es keinen geregelten Werdegang und keine geschützte Bezeichnung: Arzneimitteltherapieberater, Krankenkassenapotheker oder Pharmakotherapieberater werden sie genannt.
Aber: "Das trifft es nicht am besten", sagt Dörte Meyer. Denn daraus gehe nicht hervor, dass sie gelernte Pharmazeutin ist. Schon nach ihrem Pharmaziestudium in Marburg und Indiana in den USA und dem praktischen Jahr an zwei Hamburger Apotheken wusste sie sicher: Ihre Zukunft liegt bei einer Krankenkasse. Heute arbeitet sie als "Beratungsapothekerin". Das sei der passende Begriff.
Sehr viele Kollegen gibt es nicht in diesem Beruf, der sich zuerst vor rund 20 Jahren bei den Krankenkassen entwickelte. Es ging um Kosten und um die Frage, wie die Kassen bei den Ärzten dafür ein stärkeres Bewusstsein schaffen können.
Zu Beginn veranstaltete etwa die AOK Gesprächskreise, um mit Ärzten über Einsparmöglichkeiten bei der Verschreibung von Medikamenten zu diskutieren. Das habe nicht weit geführt, erklärt Norbert Schleert, beim AOK-Bundesverband Abteilungsleiter für Arznei- und Heilmittel.
Damals hatte Dörte Meyer bereits ihre Approbation. Weil für eine Apothekerin aber eine Krankenkasse nicht das naheliegendste Ziel ist, musste sie Umwege gehen. "Klimmzüge" nennt sie das, was nötig war, um dort arbeiten zu können, wo sie es wollte.
Kostengünstige Alternativen empfehlen
Zu dieser Zeit, Anfang der 90er Jahre, hatte die AOK erst damit begonnen, Apotheker damit zu beauftragen, den Ärzten kostengünstige Alternativen zu Medikamenten zu empfehlen. Damit war zwar der Kern eines neuen Berufsbilds entstanden, doch offene Stellen waren nur vereinzelt zu besetzen.
Mittlerweile sind die Beratungsapotheker das strukturelle Gegenstück der Pharmareferenten geworden, die im Auftrag der Arzneimittelindustrie als verkaufende Berater unterwegs sind. Dörte Meyer dagegen bietet den Ärzten keine neuen Wirkstoffe und Präparate, sondern die Analyse ihres Verschreibungsverhaltens sowie Empfehlungen zu den günstigen Alternativen in einem Markt von rund 60.000 Produkten.