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Merken   Drucken   08.10.2008, 21:51 Schriftgröße: AAA

Gesundheitswirtschaft: Gutes Geld für gute Mediziner  

Mit neuen Modellen wollen Krankenkassen Top-Ärzte höher bezahlen als schlechte - und so die Versorgung verbessern. Doch die Behandlungsqualität ist nur schwer zu messsen. von Lukas Heiny und Stefanie Kreiss (Hamburg)
Der Feldversuch läuft seit Juli. In ganz Bayern zahlen die Betriebskrankenkassen guten Medizinern mehr Geld als schlechten. Nach komplexen Berechnungen werden niedergelassene Ärzte, die festgelegte Qualitätskriterien erreichen, besser entlohnt. "Nicht alle Ärzte können unsere Forderungen erfüllen", sagt Jörg Saatkamp, Vorsitzender des BKK-Landesverbands Bayern. "Aber wir wollen so die Umgestaltung der Versorgung forcieren. In fast allen Fachbereichen gehen wir mit hohem Tempo voran."
Grundlage ist ein Qualitätsvertrag mit der Kassenärztlichen Vereinigung in Bayern. Für zahlreiche Behandlungen wie Ultraschalluntersuchungen oder ambulante Operationen sind klare Werte vereinbart, wann eine Behandlung gut ist - und wann schlecht. Die sonst einheitliche Vergütung wird mittels dieser Kriterien differenziert. Rund 100 Mio. Euro planen die BKKs für die variable Vergütung ein, das Gesamtbudget bleibt aber konstant. "Finanziell ist es ein Nullsummenspiel", sagt Saatkamp. "Doch die Qualität steigt."
Weltweit versuchen Krankenversicherungen, mit solchen Modellen die Gesundheitskosten in den Griff zu bekommen und die Behandlungsqualität zu verbessern. Unter dem Schlagwort "Pay for Performance" laufen international ambitionierte Projekte. Nun starten auch die Kassen in Deutschland.
Das bisherige System steht vor einem grundlegenden Wandel. Bei der DAK geht man davon aus, dass es in fünf Jahren flächendeckend Verträge mit einer leistungsorientierten Vergütung geben wird. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, prophezeit, dass in den nächsten zehn Jahren fünf bis acht Prozent der Honorare leistungsgebunden ausgezahlt werden. Langfristig rechnet er mit bis zu 30 Prozent - das wären 7,5 Mrd. Euro allein im ambulanten Markt.
Die größte Erfahrung mit Pay for Performance haben Krankenversicherer in den USA und das staatliche Gesundheitssystem in Großbritannien, wo Programme bereits seit den 90er-Jahren laufen. Die staatliche US-Krankenversicherung Medicare beispielsweise wird bis 2010 rund 1,3 Mrd. $ in Performanceprogramme investieren. Und der staatliche National Health Service in Großbritannien bewertet auf Basis von rund 150 Indikatoren die Leistung von Ärzten - und zahlt bei Erfolg einen Bonus von bis zu 40.000 Pfund pro Arzt im Jahr.
Bis solche Programme auch den deutschen Gesundheitsmarkt durchdrungen haben, wird es jedoch dauern: Noch sind zu viele Fragen offen. "Aber die Entwicklung ist nicht mehr zu stoppen - die Modelle sind für alle Beteiligten viel zu interessant", sagt Matthias Schrappe, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. Auch international gebe es zwar bislang kaum Analysen, ob die Modelle ökonomischer sind. "Aber die Mehrzahl der Studien kommt zu positiven Ergebnissen, was die Verbesserung der Behandlungsqualität betrifft", sagt Schrappe. Der Sachverständigenrat empfiehlt daher die schrittweise Einführung solcher Vergütungsmodelle in Pilotprojekten. "In den nächsten drei Jahren wird man dann klarer sehen", sagt Schrappe.
  • Aus der FTD vom 09.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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