Es existierten fast unüberschaubar viele Gütesiegel und Zertifikate für Arztpraxen. "Da müssen wir zu Aussagen kommen, die belastbar sind, damit die Menschen wirklich vergleichen können." Die Krankenkassen insgesamt hätten Nachholbedarf bei der Aufbereitung fundierter Daten. Seine Kasse plane daher, einen Qualitätsrat zu gründen, der unter anderem mit Vertretern aus Verbraucherschutzorganisationen und Wissenschaftlern besetzt sein soll.
Das Pharmaunternehmen Bayer Vital sieht sich ebenfalls in der Pflicht zu informieren. Geschäftsführer Hans-Joachim Rothe räumte ein, die Pharmaindustrie habe in der Vergangenheit zu wenig transparent gemacht, welche Patientengruppen sie finanziell unterstütze. Firmen müssten dazu gezwungen werden, solche Angaben offenzulegen. Sein Unternehmen werde ab dem Sommer im Internet darüber Auskunft geben, mit welchen Summen es Patientenorganisationen unterstütze und welchen Projekten das Geld gewidmet sei. Noch stärker als bisher müssten Pharmafirmen in ihren internen Abteilungen zwischen Werbung und der Vermittlung von Informationen trennen: "Man kann das nicht in einer Hand lassen. Die Gefahr des Missbrauchs ist sehr groß."
Einschätzungen zur Qualität von Ärzten werden Patienten immer stärker aus dem Internet beziehen, sagte Martin Kunz, der als Ressortleiter des Magazins "Focus" Mediziner-Bestenlisten entwickelt hat. Natürlich gebe es dort momentan noch viel Unfundiertes. Wildwuchs sei aber besser als die zuvor vorherrschende "Informationswüste".
Information allein reiche nicht aus, um Verhalten zu verändern, sagte die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Elisabeth Pott. Es müsse besser gelingen, auch bildungsferne Schichten zu erreichen.