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Merken   Drucken   29.08.2007, 18:31 Schriftgröße: AAA

Gesundheitswirtschaft: Mediziner scheuen Netzwerke

Schüler und Studenten haben sie längst, Manager, Architekten und viele andere Berufsgruppen auch: Businessnetzwerke und eigene Internetportale mit Informations- und Kommunikationsplattformen. Bei den Ärzten geht es deutlich langsamer voran.
von Dirk Schnack

Portalbetreiber tun sich noch schwer, Mitglieder zu werben. "Wir dachten, dass wir den Markt komplett aufrollen", sagt Nikolaus Gentner-Esch, Chef des Ärzteportals Dooox, das vor einem Jahr an den Start ging. Die großen Erwartungen erfüllten sich bislang nicht: Knapp über 1000 Mitglieder hat das Portal - weit weniger als erhofft.

Ähnlich geht es der Konkurrenz. Der im Mai gestartete Merel Club verzeichnet rund 300 Mitglieder, das Portal Esanum rund 500. Gentner-Esch kennt den Grund: "Mediziner werden von allen Seiten angegangen. Unheimlich viele Leute wollen etwas von ihnen." Trotzdem erwartet der Dooox-Chef noch in diesem Jahr eine fünfstellige Mitgliederzahl. Er will ganze Fachverbände für sein Portal gewinnen. kennt den Grund: "Mediziner werden von allen Seiten angegangen. Unheimlich viele Leute wollen etwas von ihnen." Genau das blüht ihnen in den exklusiv Ärzten vorbehaltenen Portalen nicht. Im Gegenteil: Sie können gezielt nach Angeboten suchen und mit Kollegen chatten. Allein der Hausärzteverband würde über 30.000 Ärzte mitbringen.

Mehr als Fachsimpelei

Mitglieder der Medizinernetzwerke können nicht nur per Chat miteinander fachsimpeln; zum Programm gehören auch verschiedene Foren, Weiterbildung, Beratung und anderes mehr. Dooox beispielsweise hat Experten für alle Fragen aus Medizin, Recht und Ökonomie. Ärzte zahlen für diesen Service einen Jahresbeitrag von 99 Euro, medizinisches Hilfspersonal 49 Euro.

Im Merel Club von Daniel Zeidler können sich Mediziner kostenlos registrieren lassen. Der Initiator ist selbst Arzt und hat mit seinem Angebot vor allem junge Kollegen im Blick: "Die haben den größten Nutzen von einer solchen Plattform."

Zeidler peilt zum Jahresende 2000 Mitglieder an und will von 2008 an Werbung auf den Portalseiten zulassen. Auch virtuelle kostenpflichtige Kongresse kann er sich vorstellen. Um das Angebot weiter zu verbessern, zeigt er sich offen für Kapitalbeteiligungen. Er selbst hat eine fünfstellige Summe investiert.

Bodo Müller vom Berliner Krankenhausunternehmen Vivantes betreibt das Portal Esanum nur nebenher. "Wir verfolgen keinen kommerziellen Ansatz", sagt Müller. Esanum ist kosten- und werbefrei - ein Prinzip, das er nicht aufgeben will. Entstanden ist das Projekt, weil der Klinikarzt die Fortbildung über das Internet forcieren wollte. Die Kosten will er über Fördermittel hereinholen. Außerdem kann er sich vorstellen, das im Portal angesammelte Wissen Verlagen anzubieten.

Ökonomische Interessen verfolgen dagegen Gentner-Esch und seine Partner - immerhin haben sie einen sechsstelligen Betrag in den Aufbau von Dooox investiert. Schon jetzt wird mit weiteren Kapitalgebern über eine Partnerschaft verhandelt, um das Angebot auszubauen. Schwarze Zahlen erwartet der Gründer in zwei bis drei Jahren.

  • Aus der FTD vom 30.08.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland
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