FTD.de » Unternehmen » Handel+Dienstleister » Gesundheitswirtschaft » Medizinrechtler brauchen Feingefühl

  FTD-Serie: Juristen

Ob Spezialisierung, Marketing oder Ausbildung - es hat sich einiges getan in Kanzleien und Hörsälen. Welcher Fachanwalt besonders gefragt ist, warum Kanzleien Mütter einstellen und wann die Selbständigkeit Sinn macht, lesen Sie hier.

Merken   Drucken   12.04.2006, 07:00 Schriftgröße: AAA

Gesundheitswirtschaft: Medizinrechtler brauchen Feingefühl

Seit rund einem Jahr können sich Juristen zum ´Fachanwalt für Medizinrecht`qualifizieren. Dabei ist neben Fachwissen auch Einfühlsamkeit gefragt. Die Zahl der Kunstfehlerfälle nimmt zu, weil sich die Patienten zunehmend ihrer Rechte bewusst werden. von Kai Oppel
Zwar hatte die Mandantin nach ihrer Operation eine schönere Brust - doch hatte der Arzt ein Krebsgeschwür nicht erkannt. "Die Zahl der Opfer, die gegen solche medizinische Fehler vorgehen, steigt", sagt Paul Vogel von der Vogel Rechtsanwaltsgesellschaft.
Rechtsanwalt Thomas Gfrörer pflichtet ihm bei. Sein Anwaltsbüro Quirmbach & Partner hat sich auf medizinische Fehler spezialisiert. In den vergangenen drei Jahren Jahren hat sich die Partnerzahl dort verdreifacht.
Seit rund einem Jahr können sich Juristen zum "Fachanwalt für Medizinrecht" qualifizieren. Fortbilden können sich sie sich etwa beim Deutschen Anwaltsverein (DAV) oder beim Deutschen Anwaltsinstitut (DAI). "Der Fachanwaltstitel verdeutlicht die Relevanz der Spezialisierung", sagt Gfrörer.
An Kollegen wenden
Juristen, die mit der entsprechenden Spezialisierung liebäugeln, sollten sich an Kollegen wenden, die bereits auf dem Gebiet tätig sind. "Leider zielt die juristische Ausbildung in Deutschland noch immer zu sehr auf das Richteramt ab. Weil die Arbeit als Rechtsanwalt zu kurz kommt, ist der frühzeitige Kollegenkontakt besonders wichtig", sagt Gfrörer.
Für die Spezialisierung auf das Medizinrecht sollten Juristen viel menschliches Gespür und das richtige Maß an Sensibilität mitbringen. "Nicht nur bei chirurgischen Kunstfehlern ist es vielen Patienten peinlich, einen Anwalt einzuschalten", sagt Vogel. "Die Fälle werden oft ausführlich dargelegt. Entsprechend einfühlsam müssen die Anwälte wirken und handeln."
Die Berufsaussichten schätzen Experten als gut ein. Zwar gehen etwa bei der Deutschen Anwaltshotline nach Angaben von Dietrich Pätzold derzeit pro Monat nur rund 20 Anfragen zu medizinischen Fehlern ein. Damit liege womit dieses Gebiet im Promillebereich. "Doch die Tendenz ist steigend."
Außergerichtlich einigen
Wie die Umfrage "Eurobarometer Spezial - Medizinische Fehler" der Europäischen Kommission ergeben hat, ist jeder vierte Europäer selbst oder im Kreis der Familie von medizinischen Fehlern betroffen gewesen. "Ärzte machen heute nicht unbedingt mehr Fehler. Durch Foren im Internet und Vereine sind sich Patienten jedoch zunehmend ihrer Rechte bewusst. Überhaupt sind sie erst einmal in der Lage, Fehler zu erkennen", sagt Gfrörer. Vor zehn Jahren noch mussten Ärzteopfer umständlich Fachliteratur sichten. Dass in Deutschland lange Zeit kaum gegen medizinische Fehler vorgegangen wurde, hat nach Angaben von Vogel einen weiteren Hintergrund. Die Schadenssummen waren viele Jahre Zeit gering. Doch immer öfter ahnden hiesige Gerichte Kunstfehler mit hohen Forderungen. So sprach das Landgericht Kleve im Februar 2005 einem Kind, das wegen eines Kunstfehlers bei der Geburt behindert ist, ein Schmerzensgeld von 500.000 Euro sowie eine Monatsrente von 500 Euro zu. Bei medizinischen Fehlern agieren Juristen allerdings meist gar nicht vor Gericht. Gfrörer schätzt, dass in dem Bereich neun von zehn Fällen außergerichtlich beigelegt werden. Streitfälle seien zu vermeiden, weil sich die Prozesse häufig über fünf Jahre und mehr erstreckten und der Gang durch mindestens zwei Instanzen drohe. Zum FTD-PodcastFTD-Newsticker - die aktuelle Nachrichtenlage für Ihr Java-Handy.FTD-Desktop-Alarm - Eilmeldungen schnell auf Ihren PC.Mehr Themen aus der Gesundheitswirtschaft
  • FTD.de, 12.04.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Kommentare
Kommentar schreiben Pflichtfelder*




FTD-Versicherungsmonitor
FTD-Versicherungsmonitor

Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Jetzt kostenlos abonnieren
Tweets von FTD.de Unternehmens-News

Weitere Tweets von FTD.de

Tools für Unternehmer
 
Gründung Finanzierung Steuern Firmenwert Vorlagen
Verträge und Vorlagen Sie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr

Newsletter:   Eilmeldungen Unternehmen

Autobauer unterschreibt milliardenschwere Übernahme? Mit uns wissen Sie es, bevor die Tinte trocken ist.

Beispiel   |   Datenschutz
  • Solvenzanforderungen: Den Märkten hinterherlaufen bringt keine ...

    Wenn sich Banken und Versicherer in der Bewertung von Staatsanleihen an Buch- statt an Marktwerten orientieren, hilft das gegen die Krise. Ein Vorbild liefert die internationale Rechnungslegung. mehr

  •  
  • blättern
  Bilderserie Neue Zentrale Im Herzen von Facebook

Bilderserie

  06.02. Wirtschaft Ultimatum an Griechenland gibt Dax-Anlegern zu denken
Wirtschaft: Ultimatum an Griechenland gibt Dax-Anlegern zu denken ...

Das Gezerre um weitere Griechenland-Hilfen hat die Anleger am Montag vom Aktienmarkt ferngehalten. Der Dax startete im Minus. mehr

FTD-Blogs
Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

 



markets
  DAX 6764,83  [-1.84 -0,03%
  Dow Jones 12845,13  [-17.1 -0,13%
  Nasdaq Composite 2901,99  [-3.67 -0,13%
  Euro Stoxx 50 2507,89  [-7.26 -0,29%
 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote