Stimmung am BodenExaminierte Pflegefachkräfte, die nach Tarif bezahlt werden, können nach zehn Jahren eigentlich mit etwa 2500 Euro Brutto rechnen. Dem Deutschen Gewerkschaftsbund zufolge bekommen jedoch fast Dreiviertel aller Pflegebeschäftigten weniger als 2000 Euro. "Besonders bei den Pflegehilfskräften wird gespart.
Private Anbieter zahlen zum Teil nur Stundenlöhne von 6 Euro und weniger", sagt Ute Gottschaar, Pflegeexpertin beim Verdi Landesbezirk Niedersachsen-Bremen. Bislang gibt es keinen gesetzlichen Mindestlohn in der Pflege. Das nutzten vor allem private Anbieter, um die Löhne für Hilfskräfte oder Mitarbeiter in der Küche zu drücken, glaubt man bei Verdi. Dagegen gelten die Freigemeinnützigen bei den Angestellten bisher als attraktive Arbeitgeber, denn sie zahlen nach Tarif. Noch.
In Niedersachsen hat jetzt erstmals ein freigemeinnütziger Träger Tarifvereinbarungen gekippt. Um sechs bedrohte Pflegeeinrichtungen der Caritas Hannover vor der Insolvenz zu retten, übernahm das diakonische Johannesstift aus Berlin die Heime. Pikantes Detail des Kaufvertrags: Die 580 Beschäftigten mussten dem neuen Tarif des Johannesstiftes zustimmen - und bekommen künftig 13 Prozent weniger Gehalt.
Die Stimmung zwischen Diakonie und Caritas liegt am Boden, schließlich wollten sie sich in Niedersachsen einst gemeinsam für eine bessere Bezahlung der Pfleger starkmachen. Die werfen ihnen jetzt Lohndumping vor.