14.06.2009, 09:00
Gesundheitswirtschaft: Regionen ohne Ideen
Die Jury des Wettbewerbs "Gesundheitsregionen der Zukunft" vergibt in diesem Jahr nur zwei Preise. Die meisten Projekte bewerten Sie als zu schwach.
von Hanna Grabbe und Stefanie Kreiss
Mit sehr großer Freude betrat sie die Bühne des Berliner Kongresszentrums ICC nicht. Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan war gekommen, um die Preise für die "Gesundheitsregionen der Zukunft" zu verleihen. Fünf Initiativen sollten auf dem diesjährigen Hauptstadtkongress für Medizin und Gesundheit Ende Mai ausgezeichnet werden - und nur zwei hat die Jury letztlich für preiswürdig erachtet.
Doch Schavan lächelte tapfer und formulierte das Drama positiv: Alle 20 Teilnehmer hätten das Potenzial, maßgebliche Innovationen für die Gesundheitswirtschaft hervorzubringen, aber zwei seien eben besonders exzellent gewesen. Spitz fügte sie hinzu: "Sie können erkennen, es ist eine sehr strenge Jury gewesen."
Ziel des WettbewerbsDie hatte schon in der Vorrunde für Unmut gesorgt. Zum einen ist nicht bekannt, wer in der 14-köpfigen Jury sitzt - was bei der Verteilung öffentlicher Gelder unüblich ist. Offizielle Begründung: Die Juroren sollen vor Beeinflussung geschützt werden.
Und dann hatten die großen Regionen der Branche, München und Berlin, die erste Auswahl aus 80 Bewerbern nicht überstanden. Nun können nur die Konzepte "Fontane" in Nordbrandenburg und "Regina" in Neckar-Alb mit insgesamt 15 Mio. Euro Fördergeld vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für ihre weitere Arbeit rechnen. Noch einmal die gleiche Summe kommt aus der verpflichtenden Kofinanzierung der Regionen.
Ziel des Wettbewerbs: Innerhalb der Regionen sollen sich einzelne Projekte vernetzen und dadurch eigene Innovationen schneller zur Anwendung bringen - also zum Patienten. In Neubrandenburg etwa unterstützt Fontane Hausärzte mit Telemedizin, um Herz-Kreislauf-Kranke in der strukturschwachen Region besser zu versorgen. Regina in Neckar-Alb will regenerationsmedizinische Methoden erforschen und in den dortigen Klinikalltag integrieren.
| Große Unterschiede |
| Gesundheitsregionen 85 Projekte wollten sich in der ersten Runde des BMBF-Wettbewerbs die Anschubfinanzierung über 100.000 Euro sichern. Viele der Regionen finanzieren sich nach wie vor von dem schmalen Budget. Etablierte Cluster aus Mecklenburg-Vorpommern oder aus Baden-Württemberg haben dagegen bis zu 2 Mio. Euro jährlich zur Verfügung. |
Eine kleine SummeSeit ein paar Jahren schließen sich deutschlandweit Einrichtungen aus Forschung und Versorgung zusammen und versuchen, mit kühnen Visionen und Langzeitplänen Cluster zu bilden. Sie wollen ihrer örtlichen Gesundheitswirtschaft ein positives Image geben. Es gibt kaum noch eine Gegend, die sich nicht Gesundheitsregion nennt. Oft aber stecken nur ein Koordinationsbüro, ein Logo und Hochglanzflyer hinter dem Begriff.
40 Mio. Euro vergibt das BMBF bei dem Wettbewerb insgesamt, verteilt auf vier Jahre. Nicht viel, wenn man bedenkt, dass das Ministerium allein in das Berliner Pflegetechnikprojekt "Smart Senior" 25 Mio. Euro investiert und schon ein einzelnes Bundesland, Nordrhein-Westfalen, für einen ähnlichen Wettbewerb mit 70 Mio. Euro fast doppelt so viel ausgibt.
Teil 2: Die belebende Wirkung des Wettbewerbs
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FTD.de, 14.06.2009
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