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Merken   Drucken   04.01.2006, 19:57 Schriftgröße: AAA

Gesundheitswirtschaft: Schwitzen mit den Stars  

Immer mehr Bundesliga-Vereine investieren nicht mehr nur in die Beine ihrer Spieler. Sie bauen eigene Gesundheitszentren und zwar für jedermann auf. von Felix Meininghaus, Gelsenkirchen
Rudi Assauer findet "medicos.Auf Schalke" toll   Rudi Assauer findet "medicos.Auf Schalke" toll
Unter falscher Bescheidenheit hat Rudi Assauer noch nie gelitten: "Jetzt darf ich mich mal selbst loben", sagte der Manager des FC Schalke 04 während einer Pressekonferenz, bei der das neue Großprojekt des ambitionierten Bundesligisten vorgestellt wurde: ein Zentrum für Gesundheitsvorsorge und Rehabilitation. Dann berichtete Schalkes einst mächtigster Macher davon, "wie sich die Werbefachleute über Monate den Kopf zerbrochen haben und nicht auf einen Namen gekommen sind". Schließlich wischte er alle Entwürfe im Handstreich vom Tisch: "medicos.Auf Schalke - Gesund zur Form", verkündete er. Voila, das Kind war getauft.
Auch sonst haute der 56-Jährige bei seinem Auftritt kräftig in die Tasten: Assauer sprach von einem "Highlight für das Ruhrgebiet", von einer "Einrichtung, die einmalig in Deutschland ist, wenn nicht sogar in Europa." Tatsächlich mutet das Projekt, das die Schalker gemeinsam mit der Schüchtermann-Schiller'schen Klinikgruppe Bad Rothefelde realisieren, ambitioniert an.
Auf der Südtribüne des altehrwürdigen Gelsenkirchener Parkstadions, in dem einst königsblaue Fußballidole wie Klaus Fischer und Olaf Thon den Ball vor sich her trieben, eröffnet am 1. Februar auf 12.000 Quadratmetern ein Komplex, der mit dem Begriff Rehabilitationszentrum nur unzureichend beschrieben ist. Künftig können die maladen Kicker in der ehemaligen Spielstätte an ihrem Comeback arbeiten, während die fitten Profis in der benachbarten Veltins-Arena um Punkte kämpfen.
Gespräche mit Krankenkassen
Doch nicht nur Stars, sondern auch Normalsterbliche können die Expertise der Ärzte, Psychologen und Physiotherapeuten nutzen. Ein Teil der Leistungen der ambulanten Reha soll in Zukunft von den Krankenkassen übernommen werden. Derzeit liefen Gespräche mit interessierten Kassen, heißt es auf Schalke. Aus eigener Tasche bezahlt werden müssen dagegen Angebote wie Rückenschule, Nordic Walking oder Aqua-Jogging.
So wie Schalke versuchen seit geraumer Zeit auch andere Bundesligisten mit Prävention und Reha für Otto Normalverbraucher Geld zu verdienen. Sie nutzen den Markennamen ihres Vereins, um vom wachsenden Gesundheitsmarkt zu profitieren.´
Beispielsweise der VfL Bochum: Seit 2004 betreibt der Verein zusammen mit dem Bochumer Uniklinikum 100 Meter vom Stadion entfernt die "RuhrSportReha". Auch hier lockt die Möglichkeit, einem der hoch bezahlten Ballkünstler auf den Gängen oder an Fitnessgeräten zu begegnen. "Es ist für jeden Patienten ein Ansporn, wenn er gemeinsam mit den Profis trainieren kann", sagt Christian Eißing, leitender Physiotherapeut des Zentrums. In Bochum funktioniere das Konzept, weil die Spitzensportler tatsächlich vor Ort Aufbautraining absolvieren und nicht als bloße Werbe-Aushängeschilder herhalten müssten. Auch Werder Bremen betreibt auf 500 Quadratmetern ein Zentrum für orthopädische Rehabilitation, das nach Einschätzung von Experten hervorragend läuft. Borussia Dortmund hält Anteile am medizinischen Leistungs- und Rehabilitationszentrum Orthomed. "Eine Geschäftsführung streben wir jedoch keinesfalls an", sagt Borussia-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.
Gelsenkirchen dagegen erwartet sich mehr von seinemEngagement. Die Betreiber-GmbH, an der Schalke zu 50 Prozent beteiligt ist, rechnet mit einem Umsatz von 8 Mio. Euro. "Ende 2007 wollen wir den Breakeven schaffen", sagt Medicos-Sprecher Alami. Bei den Baukosten musste man jedoch schon einmal die Zahlen nach oben korrigieren. Im Sommer 2004 war der Neubau mit 15,6 Mio. Euro veranschlagt worden, mittlerweile kalkulieren die Betreiber mit 28 Mio. Euro.
Ein Schnäppchen wird der Besuch des Zentrums nicht werden. Das Standardpaket, das ärztliche Betreuung mit Kraft- und Ausdauertraining kombiniert, soll monatlich 79 Euro kosten. "Wir werden uns preislich vom Markt abheben", sagt Geschäftsführer Bernd-Martin Schaake. Dass das Zentrum gut besucht sein wird, daran zweifeln die Gelsenkirchener nicht. Sie sprechen bereits von einem "Tribünenplatz für Lebensfreude".
  • Aus der FTD vom 05.01.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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