Die größten privaten Krankenhausträger
Rot leuchten die Zahlen auf dem Bildschirm. Der Vergleichswert "Information der Angehörigen": rot. Der Wert für "Schmerzarmes Spritzen": rot. "Wartezeit": auch rot. Die Kennzahlen für die Betreuungsqualität müssen besser werden, das ist die stumme Botschaft der Zahlenreihen. "Medizin ist messbar, das war mir vor der Privatisierung nicht klar", sagt Rüdiger Karwath. Der Schlafmediziner ist ärztlicher Direktor der Helios Klinik Schwerin. Er residiert im zweiten Stock des Verwaltungsbaus und hat von hier aus alle Abteilungen des 1400-Betten-Hauses im Blick.
Rot heißt schlecht, grün heißt gut. Das ist das Prinzip der Benchmarks, mit denen alle Häuser der drittgrößten deutschen Klinikkette verglichen werden. Immer in der Mitte des Monats stellt die Zentrale die Werte des Vormonats ins Intranet, jeder Mitarbeiter kann sie anklicken. "Die monatlichen Vergleichsdaten zur Qualität üben positiven Druck aus. Keiner der 58 Chefärzte möchte im Vergleich mit den Kollegen auf Platz 47 landen", sagt Helios-Hauptgeschäftsführer Ralf Michels. Mithilfe der Benchmarks lenken die Manager die Häuser. Im internen Wettbewerb sollen sie getrimmt werden, auf Qualität und Effizienz.
Die Steuerungsfähigkeiten und Geschäftsmodelle der privaten Klinikbetreiber werden immer wichtiger. Zwar sind die Aussichten der Branche weiter rosig: Bis 2015 sollen mehr als 40 Prozent aller Krankenhäuser in Deutschland privatisiert sein, prognostiziert die DZ Bank, McKinsey rechnet sogar mit 50 Prozent, die dann weit mehr als 60 Prozent der Gewinne machen. Und die Ziele der Klinikkonzerne sind weiter ehrgeizig: Rhön-Klinikum peilt bis 2011 einen Umsatz von 3 Mrd. Euro an. Helios will jedes Jahr um 150 Mio. Euro wachsen, Sana spätestens 2008 die Milliardengrenze durchstoßen.
Privatisierungswelle ebbt ab
Doch die große Privatisierungswelle ebbt langsam ab. Der Wirtschaftsaufschwung bremst die Verkaufslust der Kommunen, das Kartellamt durchkreuzt die Strategien und die ersten privat geführten Krankenhäuser sind gescheitert. "Der Zenit liegt hinter uns", sagt Klaus Hekking, Vorstandschef der SRH Holding, zu der sieben Kliniken gehören. "Die letzten zwei, drei Jahre war die Branche wie im Kaufrausch. Nun stellt sich die Frage, was machen sie draus." Es kommt auf die Konzepte an - die Zeit der einfachen Übernahmen ist vorbei.
Noch funktionieren die Geschäftsmodelle. Während die durchschnittliche Umsatzrendite (Ebit) deutscher Krankenhäuser bei minus zwei Prozent dümpelt, erreichen die privaten Betreiber fünf Prozent, die Großen der Branche deutlich mehr. "Und die Margen gehen nicht zulasten der Medizin: Die These von der sinkenden Versorgungsqualität lässt sich nicht halten", sagt Norbert Schnitzler, Gesundheitsexperte bei der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton.
In Schwerin liegt die Marge drei Jahre nach der Privatisierung bei 4,9 Prozent. Für 144 Mio. Euro hatte Helios das Haus 2004 übernommen, bis dahin die größte Privatisierung der Geschichte. Unter dem Strich läuft alles nach Plan.