Die "Heuschrecken" sterben nicht aus: Auch in Zukunft werden Kliniken in Deutschland auf die Beteiligung privater Investoren angewiesen sein, um am Markt bestehen zu können. Zwar erleichtern gestiegene Steuereinnahmen den kommunalen Betreibern zurzeit das Wirtschaften. Doch der milliardenschwere Investitionsstau im Klinikmarkt zwingt die öffentlichen und freigemeinnützigen Kliniken trotzdem zu neuen Allianzen.
"Die finanzielle Lage der öffentlichen Haushalte wird sich mittelfristig wieder anspannen. Das wird private Investoren wieder deutlicher ins Gespräch bringen", sagte Diego Fernández Reumann, Vizechef des Vermögensverwalters Corpus Sireo. Zu den Immobilienbeständen seines Unternehmens, dessen Gesellschafter drei Sparkassen sind, gehören 30 Pflegeheime. "Wir wollen auch künftig in Immobilien der Gesundheitswirtschaft investieren", sagte er. "Deswegen werden wir einen Fonds im Wert von 500 Mio. Euro auflegen, der ausschließlich in Krankenhausimmobilien investiert."
Sireos Beteiligungsmodell sieht vor, die Zusammenarbeit von Investor und Klinikbetreiber zu verzahnen. "Wir investieren zwar nur in die Immobilie, wollen aber auch das operative Geschäft flankieren", sagte Reumann. "So können wir eine langfristige Partnerschaft etablieren." Denkbar sei mittelfristig auch die Einführung börsennotierter Immobilienfonds, sogenannter REITs. "Dazu muss sich die Situation privater Klinikbeteiligungen in Deutschland aber erst noch weiter etablieren."
"Politische Hemmschwelle" ärgert Investoren
Solche Beteiligungsmodelle sind im Gesundheitsmarkt noch relativ selten. Bisher haben vor allem private Klinikketten marode Häuser komplett übernommen. "Teilprivatisierungen sind eine Krücke und kein Erfolgsmodell", sagte Francesco De Meo, Chef der Klinikkette Helios, die zum Fresenius-Konzern gehört. "Wir streben deshalb komplette Übernahmen öffentlicher Kliniken an", sagte er. Haupthindernis auf diesem Weg jedoch seien nicht mangelndes Kapital oder fehlende Bereitschaft der Kliniken, sondern die "politische Hemmschwelle".
Gerade auf regionaler Ebene sei es oft schwer, eine Vollprivatisierung durchzusetzen. Das sei der einzige Grund, warum überhaupt über Teilprivatisierungen und andere Modelle diskutiert würde.