FTD.de » Unternehmen » Handel+Dienstleister » Gesundheitswirtschaft » Experten wollen Ärzte entmachten

Merken   Drucken   18.06.2009, 11:37 Schriftgröße: AAA

Patientenrechte: Experten wollen Ärzte entmachten  

Fachleute aus Politik und Wissenschaft wollen die Rechte der Patienten stärken. Das soll den Kostenanstieg im Gesundheitswesen dämpfen. von Claudia Kade (Berlin)
Eine Expertengruppe unter Leitung des früheren sächsischen CDU-Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf verlangt nach dreijährigen Untersuchungen in ihrem Forderungskatalog, die Patientenrechte massiv zu stärken. "Die Krankenakte gehört den Patienten", sagte Bernhard Bührlen, wissenschaftlicher Leiter der Gruppe, der FTD.
Der Ausbau der Mitsprache soll den Patienten eine stärkere Verantwortung geben. Dahinter steht die Erwartung, dass ein gut informierter Patient sehr viel besser als bisher über seine Therapie mitreden kann, etwa ob medizinische Möglichkeiten in speziellen Fällen überhaupt genutzt werden sollten. Das Internet ist für die Kranken bereits eine wichtige Quelle. Die Gesundheitsexperten unter Federführung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung wollen nun aber auch Krankendaten der Ärzte und Kassen den Patienten zugänglich machen.
Außerdem fordern die Experten, die Behandlung in Zukunft nicht mehr allein den Ärzten zu überlassen. Nach US-Vorbild sollten stattdessen erste Anlaufstellen für Patienten eingerichtet werden, die beispielsweise mit Krankenschwestern besetzt sind. Diese sollen leichte Fälle selbst versorgen oder Routinebehandlungen vornehmen. Den Ärzten blieben nur noch schwere und komplizierte Fälle. Entsprechend sollten auch die verschiedenen Ausbildungsstränge im Gesundheitssystem miteinander verzahnt werden, heißt es in dem Papier.
Die Experten unterstützen außerdem den von mehreren Krankenkassen geplanten Ärzte-TÜV zur Qualitätsbewertung von Medizinern im Internet. Angesichts der zunehmenden Alterung der Gesellschaft und des damit einhergehenden Kostenanstiegs im Gesundheitswesen sollten wesentliche Schritte zur Stärkung der Patientenrechte bis zum Jahr 2020 vorgenommen werden, sagte Fraunhofer-Forscher Bührlen.
In ihrem Abschlussbericht, der der FTD vorliegt, fordern die Experten zudem eine Zusammenlegung von Kranken- und Pflegeversicherung sowie eine Abkoppelung der Versicherungsbeiträge von den Lohnnebenkosten. "Dazu sollen mehr Steuermittel ins System fließen", sagte Bührlen.
Das Papier wurde bereits an das Gesundheitsministerium von Ressortchefin Ulla Schmidt (SPD) übermittelt. Bis zur Bundestagswahl im Herbst wollen die Experten nun bei CDU/CSU und SPD dafür werben, die Gesundheitspolitik in der neuen Regierung nicht mehr auf ein Kabinettsressort zu begrenzen, sondern vom Kanzleramt aus zu steuern und in allen anderen Ressorts mit zu verankern.
  • Aus der FTD vom 18.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
FTD-Versicherungsmonitor
FTD-Versicherungsmonitor

Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Jetzt kostenlos abonnieren
Tweets von FTD.de Unternehmens-News

Weitere Tweets von FTD.de

  16.05. Wissenstest Sind Sie Flughafenkenner?

Die verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER schlägt Wellen. Die internationalen Flughäfen sind nicht nur dynamische Orte, sondern auch Großunternehmen. Kennen Sie sich gut mit Airports aus?

Zunächst eine Frage zum weltgrößten Flughafen. Derjenige mit dem größten Passagieraufkommen ist …

Wissenstest: Sind Sie Flughafenkenner?

Alle Tests

Tools für Unternehmer
 
Gründung Finanzierung Steuern Firmenwert Vorlagen
Verträge und Vorlagen Sie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr

Newsletter:   Eilmeldungen Unternehmen

Autobauer unterschreibt milliardenschwere Übernahme? Mit uns wissen Sie es, bevor die Tinte trocken ist.

Beispiel   |   Datenschutz
  • Ackermann-Nachfolger: Anshu Jain - Wider die Deutschtümelei

    Eine Bilanz vor dem Amtsantritt? Verbietet sich. Eigentlich. Nicht so bei Anshu Jain. Denn Josef Ackermanns Nachfolger hat schon vor dem Start bei der Deutschen Bank viel verändert. mehr

  •  
  • blättern
  Bilderserie Deutsche Bank Ackermanns Meilensteine

Bilderserie

  09:15 Wirtschaft Auslaufmodell Blackberry?
Wirtschaft: Auslaufmodell Blackberry? (00:01:22)

Hersteller Research in Motion schwer unter Druck - Offenbar Suche nach Verbündeten angelaufen mehr

FTD-Blogs
Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

 



markets
  DAX 6306,57  [25.77 +0,41%
  Dow Jones 12419,86  [-160.83 -1,28%
  Nasdaq Composite 2837,36  [-33.63 -1,17%
  Euro Stoxx 50 2129,95  [13.77 +0,65%
 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote