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Merken   Drucken   25.08.2006, 17:03 Schriftgröße: AAA

Sanofis Umsatztreiber Plavix droht Flop  

Dem Pharmakonzern Sanofi-Aventis und seinen Vermarktungspartner Bristol-Myers Squibb (BMS) drohen drastische Umsatzverluste: Weil ihr Blutverdünner gegenüber dem preiswerteren Aspirin offenbar in bestimmten Fällen keine therapeutischen Vorteile hat, könnten die Erlöse jährlich um einen dreistelligen Millionenbetrag schrumpfen. von Peter Kuchenbuch
Der Blutverdünner Plavix von Sanofi enthält Clopidogrel   Der Blutverdünner Plavix von Sanofi enthält Clopidogrel
Der Blutverdünner Clopidogrel, der in den Medikamenten Plavix von Sanofi  und Iscover von BMS, enthalten ist, hat gegenüber Aspirin keine therapeutischen Vorteile bei der Behandlung von Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten. Zu diesem Ergebnis kommt die heute veröffentlichte Nutzen-Bewertung des Kölner Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Der Bericht des IQWiG ist Grundlage für Entscheidungen von Krankenkassen und Ärzten über die Erstattungsfähigkeit von Medikamenten. Entscheidungsgremium hiefür ist der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA). Sollte er dem IQWiG folgen, drohen den Konzernen Umsatzeinbußen von 100 Mio. bis 200 Mio. Euro jährlich, schätzen Experten.
Das 2004 gegründete Institut arbeitet im Auftrag von Bundesregierung und gesetzlichen Krankenkassen an der wissenschaftlichen Bewertung von Therapien. Bei Cholesterinsenkern und jüngst bei Diabetesmitteln und Blutkrebstherapie hat das Institut für harte Auseinandersetzungen mit der Pharmaindustrie, Patienten und Fachmedizinern gesorgt. Auch die neueste Studie stößt auf Widerstand.
Pharmakonzern greift Studie an
Sanofi Aventis wirft dem Institut gravierende Bewertungsfehler vor. Es bestätige zwar einerseits einen Vorteil des Sanofi-Aventis-Wirkstoffes Clopidogrel für alle Patienten der zugrunde gelegten Studie, lasse aber andererseits nur für die Patienten mit Verschlusskrankheiten einen Zusatznutzen gelten. Die Studie bezog sich auch auf Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten. "Sich bei diesen lebensbedrohlichen Erkrankungen auf der vorliegenden Datenbasis bei einzelnen Erkrankungsformen bewusst gegen Clopidrogel zu entscheiden, ist Willkür, die wir nicht zulassen dürfen", sagte Dr. Heinz-Werner Meier, Vorsitzender der Geschäftsführung der Sanofis-Aventis Deutschland GmbH.
Clopidogrel wird in Deutschland millionenfach für Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten verschrieben, weil es Verklumpungen in den Blutgefäßen verhindern helfen soll. Es wird auch zur Prophylaxe gegen andere thrombotische Erkrankungen der Arterien, etwa in den Beinen, eingesetzt. Clopidogrel ist mit 300 Mio. Euro (Berechnungsbasis: Herstellerabgabepreis) das umsatzstärkste Medikament im deutschen Markt. Zum Vergleich: 100 Plavix- beziehungsweise Iscover-Tabletten kosten 250 Euro, 100 Tabletten mit dem Aspirin-Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS), 100 Milligramm, nur 2,75 Euro.
Einschätzung gilt auch für Risikopatienten
Der IQWiG-Bericht vergleicht den therapeutischen Nutzen von Clopidogrels gegenüber ASS zur Verhinderung von Herzinfarkt und Schlaganfall in der Monotherapie. Clopidogrel hat bei Herzinfakt- und Schlaganfallpatienten keine bessere vorbeugende Wirkung gegenüber einer ASS-Prophylaxe, folgert das IQWiG nach der Analyse großer Studien. Diese Einschätzung gelte auch für Risikopatienten, die noch keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben, aber unter Beschwerden wie Angina pectoris leiden oder bereits Anzeichen von Durchblutungsstörungen des Herzens oder des Gehirns gezeigt haben.
Angina pectoris ist mit einer schlechten Versorgung des Herzmuskels verbunden. Schmerzen in der Herzgegend und ein Engegefühl im Brustkorb und Atembeklemmungen sind typisch für dieses Krankheitsbild. "Diese Patienten bekommen nicht selten Clopidogrel von den Ärzten verschrieben. Diesen Patienten kann man nach dem jetzigen Stand der Wissenschaft genau so gut ASS geben", sagte Peter Sawicki, Leiter des IQWiG, gegenüber der FTD. Folglich könnte die Verschreibung beziehungsweise Erstattung vom Gemeinsamen Bundesausschuss eingeschränkt werden.
Höherer Patientennutzen bei Schaufensterkrankheit

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  • FTD.de, 25.08.2006
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