Das Management habe in den vergangenen Tagen darüber mit Arbeitnehmervertretern gesprochen, dass es eine entsprechende Öffnungsklausel im Flächentarifvertrag nutzen wolle. Die Gewerkschaft IG BCE lehne dies aber ab und dringe auf andere Schritte gegen die Krise, hieß es. Die Plastiksparte Bayer Material Science (BMS) erzielt etwa ein Drittel des Konzernumsatzes. Sie ist weit stärker konjunkturabhängig als die beiden anderen Konzernteile Medizin und Agrochemie und leidet etwa unter der Absatzkrise der Autoindustrie. Konkurrenten wie BASF ergeht es ähnlich.
BASF hat für bestimmte Konzernteile, die die Autoindustrie beliefern, Kurzarbeit verhängt. Dies wird auch bei Bayer erwogen, wie Vorstandschef Werner Wenning im Dezember mitteilte. Bisher gab es mit den Arbeitnehmern eher informelle Gespräche. "Verhandlungen über mögliche Maßnahmen sind für Anfang kommender Woche geplant", sagte ein Bayer-Sprecher. Welche Schritte im Detail erörtert werden, wollte er nicht sagen.
Dem Vernehmen nach strebt die Gewerkschaft andere Lösungen als reinen Lohnverzicht an, um der BMS-Krise zu begegnen. Sie sei beispielsweise offener für Kurzarbeit - oder für eine gesenkte Arbeitszeit bei entsprechend niedrigerem Lohn. Dies ermöglicht der Tarifvertrag mit einem Arbeitszeitkorridor, wonach die Regelarbeitszeit von 37,5 Stunden je Woche auf 35 Stunden heruntergefahren werden kann, bei knapp sieben Prozent weniger Lohn. Diesen Weg hatte zeitweise die Chemiefirma Lanxess kurz nach ihrer Ausgliederung aus Bayer gewählt.
Zudem sollen die Lasten nach Ansicht der Arbeitnehmervertreter auf mehrere Schultern verteilt werden, nicht nur auf jene der konjunkturgeplagten Betriebe in der Sparte BMS. Darauf soll auch schon IG-BCE-Chef Hubertus Schmoldt gedrungen haben, der im Bayer-Aufsichtsrat sitzt.
Die Belegschaft will am Donnerstag auf außerordentlichen Mitarbeiterversammlungen in Leverkusen, Uerdingen und Dormagen sowie am Freitag in Brunsbüttel über die Wirtschaftslage beraten.