Eine Werbetour in Asien für neue Kunden endet für Russlands modernstes Passagierflugzeug Superjet 100 mit einer Katastrophe. Etwa 20 Minuten nach dem Start zu einem Demonstrationsflug von der indonesischen Hauptstadt Jakarta verschwand der Jet von den Radarschirmen. Nach zunächst unbestätigten Meldungen wurden in der Nacht zum Donnerstag Wrackteile in der Nähe eines Gebirgszuges in einer Vulkanregion gefunden. Die Sucharbeiten waren durch schlechtes Wetter behindert. An Bord sollen sich 44 oder 50 Passagiere befunden haben, darunter Luftfahrtexperten, Manager und Medienvertreter. Angeblich wurde vor dem Absturz kein Notsignal empfangen.
Der Verlust des Jets ist ein enormer Rückschlag für den russischen Hersteller Suchoi und indirekt auch für Präsident Wladimir Putin. Er fordert seit Längerem den Wiederaufbau einer eigenständigen, modernen zivilen Flugzeugproduktion. Der Superjet 100, der erst seit Frühjahr 2011 für den Passagierbetrieb in Russland zugelassen ist, gehört zur Gruppe der Möchtegernherausforderer der beiden etablierten Hersteller Airbus und Boeing mit ihren A320- und 737-Familien. Das Duo dominiert seit Jahrzehnten den Markt für Flieger ab 100 Sitzen.
Das Superjet 100-Modell für bis zu 98 Passagieren ist der erste komplett neue russische Passagierflieger seit gut zwei Jahrzehnten. Beim Start in den Linienbetrieb wurde der Einsatz als historischer Wendepunkt gefeiert. Im März 2012 sickerten dann Berichte über anhaltende technische Probleme durch, sodass ein Großteil der Flüge des Modells bei Aeroflot ausfiel.
Obwohl bislang über die Ursachen des Absturzes keine Angaben vorliegen, ist der Verlust ein enormer Reputationsschaden. Der Flugzeughersteller Suchoi will mit dem Modell seine starke Abhängigkeit vom Kampfflugzeugmarkt verringern. Dazu nahm er - mit Billigung der Führung in Moskau - massiv westliche Hilfe in Anspruch. So wurde der US-Flugzeughersteller Boeing bereits vor Jahren als Berater und Verkaufsförderer für den Jet eingebunden. Zudem beteiligte sich der italienische Flugzeughersteller Alenia mit 25 Prozent am Bau des Superjets. Wichtige Komponenten stammen aus dem Westen.
Für die Flugzeugausrüster war das Modell eine willkommene neue Alternative, um ihr Geschäft zu beleben, weil es wenig Bewegung bei den Lieferanten der etablierten Konzerne Boeing und Airbus gibt.
So hat beispielsweise der deutsch-schweizer Liebherr-Konzern bei dem russischen Modell weltweit erstmals die hochmoderne elektrische Flugsteuerung (Fly-by-Wire) geliefert. Liebherr-Aerospace hat das komplette Flugsteuerungssystem, einschließlich Computer und Cockpit-Steuerungen, entwickelt und hergestellt. Im Februar dieses Jahres gab die europäische Zulassungsbehörde EASA die Gesamttechnik des russischen Modells auch für Europa frei. Damit können auch europäische Fluggesellschaften den Jet einsetzen.
Mit dem Einkauf westlicher Technik setzten die Russen auf die Idee, dass sich dann das knapp 30 Meter lange Flugzeug leichter bei westlichen Kunden, oder generell außerhalb Russlands, vermarkten lässt. Bislang zeigt diese Strategie aber noch keinen namhaften Erfolg. Derzeit liegen für 240 Flieger Festbestellungen und Optionen vor. Acht Modelle sind ausgeliefert und im Einsatz.