Merken
Drucken
11.09.2009, 15:07
Schriftgröße: AAA
Agenda:
Alles nach Clan bei Henkel
Kommende Woche wird Simone Bagel-Trah Chefkontrolleurin des Henkel-Konzerns - und so zur mächtigsten Frau der deutschen Wirtschaft. Doch ohne Familienproporz hätte es die Ururenkelin des Gründers schwer gehabt.
von Kirsten Bialdiga Düsseldorf
Das Kostüm könnte von Prada sein. Gerader, eleganter Schnitt und in einem kräftigen Pink, das auffällt, ohne schrill zu sein. Dieses Kostüm ist mehr als ein Kleidungsstück - es ist ein Statement. Seht her, sagt es aus, ich bin der neue Mittelpunkt, an mir kommt keiner mehr vorbei.
Simone Bagel-Trah füllt ihre neue Rolle an diesem Augusttag vollkommen aus. Zum ersten Mal steht sie am Eingang des VIP-Zelts beim traditionsreichen "Henkel-Preis der Diana" auf der Galopprennbahn in Düsseldorf-Grafenberg, um Gäste und Mitglieder des weitverzweigten Familienclans zu begrüßen.
Flankiert vom bisherigen Patriarchen des
Henkel -Konzerns Albrecht Woeste und Vorstandschef
Kasper Rorsted , schüttelt die schlanke, groß gewachsene Frau Hände von Verwandten. Sie tauscht Freundlichkeiten mit der lokalen Politprominenz aus, nimmt gekonnt den einen oder anderen Handkuss entgegen. Das von Henkel gesponserte Derby ist die ideale Gelegenheit, ihre neue Position nach außen zu dokumentieren.
Geldadel verpflichtet: Simone Bagel-Trah tritt das Erbe ihres Ururgroßvaters Fritz Henkel an
Die meisten, die gekommen sind, kennen ihr künftiges Familienoberhaupt zwar schon seit deren Kindheit. Doch die Rolle ist neu - und im 21. Jahrhundert in Deutschland immer noch ungeheuerlich: Als erste Frau übernimmt Simone Bagel-Trah am nächsten Freitag den Vorsitz des Henkel-Gesellschafterausschusses, der Schaltzentrale des Konzerns. Sie steigt zur vielleicht mächtigsten Frau der deutschen Wirtschaft auf. Auch beim 14-Mrd.-Euro-Konzern Henkel alles andere als selbstverständlich.
Der Stammbaum des Henkel-Clans
In der 133 Jahre währenden Geschichte war der Düsseldorfer Klebstoff-, Waschmittel- und Kosmetikhersteller eine Männerdomäne. Schon der legendäre Firmengründer Fritz Henkel vererbte seinen Söhnen Hugo und Fritz junior je 40 Prozent der Anteile, Tochter Emmy nur die Hälfte davon. Umso radikaler ist nun der Kulturwandel im Reich von Persil und Pattex. Der Übergang vom Patron Woeste zu Bagel-Trah, von Generation vier zu fünf ist eine Zeitenwende.
Auch für die deutsche Wirtschaft: Kein anderer Dax-Konzern hatte jemals eine Frau an der Aufsichtsratsspitze. Und kein anderer hat ein so junges Führungsteam wie nun Henkel: Bagel-Trah ist erst 40, Vorstandschef Rorsted Mitte 40.
Teil 2: "Firma geht vor Familie"
-
Aus der FTD vom 12.09.2009
© 2009 Financial Times Deutschland,
Bookmarken
Drucken
Senden
Leserbrief schreiben
Fehler melden