Ombudsmann Rainer Buchert
Es sind Fälle wie
Siemens , Ikea, Heros oder
EADS , die den Boom ausgelöst haben. Skandale, die das Vertrauen in diese Firmen erschüttert, ihr Ansehen geschädigt, ihnen materielle Einbußen in Millionenhöhe verursacht haben. In all diesen Fällen flogen die Übeltäter durch Tipps aus der Belegschaft auf. Andere Firmen wollen jetzt schlauer sein: hinhören, ermitteln, bestrafen - ehe die Staatsanwaltschaft anklopft und die Affäre an die Öffentlichkeit gerät.
"Das Wissen der Mitarbeiter muss man nutzbar machen", sagt Steffen Salvenmoser, einstiger Staatsanwalt und Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). "Das wissen die Unternehmen heute, und jetzt öffnen sie die Kanäle dafür." Auch wenn solche anonymen Hinweisgebersysteme in vielen Firmen als Tummelplatz für Denunzianten verschrien sind.
Fast jedes zweite deutsche Unternehmen ist laut einer PwC-Studie von Wirtschaftskriminalität betroffen. Doch ohne konkrete Anhaltspunkte ist es fast unmöglich, in den geschlossenen Kreis von Korruption vorzudringen. Und so suchen jetzt auch Konzerne wie
BASF ,
Vattenfall ,
Telekom ,
ABB ,
Hochtief , der Frankfurter Flughafen oder die
Allianz systematisch nach Informanten in den eigenen Reihen. "Sie kriegen Hinweise auf solche Machenschaften nur von Leuten, die in der Nähe der Täter sind - und das sind nun mal enge Mitarbeiter", sagt Buchert.
Ombudsmann ist die perfekte Rolle für den Polizeipräsidenten a. D. mit dem gepflegten weißen Vollbart, der seine braunen Augen zum durchdringenden Blick eines Kriminalbeamten verengt, wenn er über die krummen Touren in Betrieben spricht. Und dann plötzlich ganz sanft wirkt, verständnisvoll, sobald er von den Nöten erzählt, welche die Menschen zu ihm treiben. Good Cop, Bad Cop: Buchert ist beides in einer Person.