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Merken   Drucken   17.11.2008, 21:24 Schriftgröße: AAA

Agenda: Bittere Medizin für Merckle

Dossier Ein deutsches Imperium gerät ins Wanken: Adolf Merckle, Herr über Ratiopharm und Heidelberg Cement, hat sich mit VW-Aktien verspekuliert. Ein Notverkauf des Pharmaherstellers würde das Herzstück aus seinem Konglomerat lösen. von Claus Hecking, Horst von Buttlar (Hamburg) und Klaus Max Smolka (Frankfurt)
Adolf Merckle liebt und hütet Geheimnisse. Das gilt für seine Gewinne wie für seine Pläne und Liebhabereien. In den 90er-Jahren etwa erwarb der gebürtige Dresdner von der Treuhand das malerische Schloss Hohen Luckow in Mecklenburg-Vorpommern. Er renovierte das Anwesen, das für seinen prachtvollen Stuck berühmt ist, aufwendig. 2007 trafen sich hier sogar die Staats- und Regierungschefs der G8 zum Abendessen.
Jeder weiß, dass Merckle der Eigentümer des Gutes ist. Dennoch schweigt sich die Schlossverwaltung über ihren Eigner aus, auch auf der Homepage ist lediglich von "neuen Besitzern" die Rede.
Nun ist ein dunkles Geheimnis an die Öffentlichkeit getreten, das das Reich des Adolf Merckle für immer verändern könnte. Der Unternehmer, zu dessen Imperium der Generikahersteller Ratiopharm, der Pharmahändler Phoenix  sowie Beteiligungen an Heidelberg Cement  und dem Pistenfahrzeughersteller Kässbohrer  gehören, hat sich mit VW -Aktien verspekuliert. Zwischen 400 Mio. und 1 Mrd. Euro soll Merckle mit Wetten auf fallende Kurse verloren haben. Nun verhandelt der laut "Forbes" fünftreichste Deutsche mit 40 Banken über einen Überbrückungskredit.
Bilderserie Bilderserie: Das Familienimperium Merckle
Es könnte schlimm ausgehen für den Patriarchen, dessen Gruppe mit etwa 100.000 Mitarbeitern jedes Jahr 30 Mrd. Euro Umsatz macht. Er könnte sogar gezwungen sein, das Herzstück seines Imperiums zu veräußern: Ratiopharm.
Ein Ratiopharm-Mitarbeiter: Belegschaft wird beschwichtigt   Ein Ratiopharm-Mitarbeiter: Belegschaft wird beschwichtigt
Gerüchte über den Verkauf haben für Unruhe bei dem Hersteller von Nachahmermedikamenten gesorgt. Ratiopharm-Chef Oliver Windholz versucht, die Belegschaft zu beschwichtigen. "Tatsache ist, dass der Geschäftsführung der Ratiopharm keine derartige Entscheidung des Gesellschafters vorliegt", schreibt er in einem Aushang, der in der Ulmer Zentrale hängt. "Ich bitte Sie, sich weiterhin voll auf das Tagesgeschäft der Ratiopharm zu konzentrieren."
Doch die Mitarbeiter warten nervös auf die Betriebsversammlung in der Donauhalle am Montag. Das ist zwar die turnusmäßige Jahresversammlung. Aber für die Mitarbeiter dürfte es nur ein Thema geben: Merckles Finanznöte. Denn Ratiopharm ist Merckle, und Merckle ist Ratiopharm.

Teil 2: Wie alles begann

  • Aus der FTD vom 18.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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