Vorstandsgehälter um 131 Prozent erhöhtEin "Waten in Blut", wie es der fast zum neuen Mercedes-Chef gekürte Wolfgang Bernhard vor Monaten forderte, halten die Gewerkschafter für überflüssig: Immerhin mache das Unternehmen satte Gewinne, die Vorstände erhöhten sich ihr Salär im vergangenen Jahr um 131 Prozent.
Rabiate Einschnitte sollten Zeiten vorbehalten sein, so argumentieren sie, in denen es ernsthaft kriselt. Wie Anfang der 90er, als der damalige Mercedes-Chef Helmut Werner 40.000 Stellen abbauen musste, um die Marke wieder profitabel zu machen. Damals waren die Proteste verhaltener als heute. Ein Konzernvorstand erinnert sich: "Damals haben die Leute verstanden, dass es um die Existenz als eigenständiger Autohersteller geht."
In der Folge trugen die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat die DaimlerChrysler-Fusion mit und hielten treu zu Konzernchef Jürgen Schrempp, als sich das amerikanische Abenteuer als Sanierungsfall entpuppte. Sogar das Mitsubishi-Debakel in diesem Jahr konnte Schrempp mit Unterstützung der Arbeitnehmerseite abfedern. Der Aufsichtsrat verlängerte den Vertrag Schrempps um weitere fünf Jahre, einstimmig. Der bedankte sich artig mit Statements über die Vorzüge der deutschen Mitbestimmung.
Umso überraschter sind die Betriebsräte um Erich Klemm nun, wie ruppig der Ton geworden ist. Klemm ist enttäuscht: "Zu Schrempp sage ich heute kein Wort."
Die Wut für die Kameras ist raus. Klemm bringt seine Stimme wieder auf Durchschnittstemperatur. Seine Hände gleiten in die Hosentaschen. Wie ein Vorstandschef steht er da, randlose Brille, Krawatte, Zwirn. Er verstehe sich als Co-Manager, sagt er gerne. Nächste Woche verhandeln sie weiter, die Manager.