Klaus Kleinfeld, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG
Siemens -Chef Klaus Kleinfeld mühte sich redlich, um seine Mitarbeiter zu beruhigen. Nein, es werde trotz der anhaltenden Probleme in einigen Konzernsparten keinen Arbeitsplatzabbau in Deutschland geben, sagte er am Freitag der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Wir beschäftigen in Deutschland 164.000 Mitarbeiter", so Kleinfeld. "Ich kann keinen Grund erkennen, warum sich an dieser Größenordnung etwas ändern sollte."
Kurz darauf platzten Arbeitnehmervertreter mitten in die so sorgfältig eingefädelte Harmoniestrategie und fielen ihrem Chef in den Rücken. In Wahrheit stehe bei dem Münchner Technologiekonzern ein Sanierungsprogramm bevor, warnten Gewerkschafter und Betriebsräte nach einer Krisensitzung des Siemens-Wirtschaftsausschusses. Rund 10.000 Arbeitsplätze seien von den Maßnahmen gefährdet. "Das Thema Arbeitsplatzabbau ist seit Wochen Flurgespräch bei Siemens. Keiner kann mit Sicherheit sagen, wie viele Jobs betroffen sind, aber jeder geht davon aus, dass hier bald etwas passieren wird", erklärt Hagen Reimer, Redakteur beim IG-Metall-Onlinedienst "Siemens Dialog".
Keine Hiobsbotschaft vor der Wahl
Bis zu der Bundestagswahl am 18. September sollte die Hiobsbotschaft geheim bleiben. Die Konzernführung hielt sich zurück, um ihrem früheren Vorstandsvorsitzenden und heutigen Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer nicht in die Parade zu fahren, vermuten Gewerkschaftsfunktionäre. Denn der jahrelange Siemens-Chef soll Unionskandidatin Angela Merkel im Falle eines Wahlsiegs in Wirtschafts- und Innovationsfragen beraten.
Die spektakulären Entlassungspläne könnten da nicht nur an seinem Image des erfolgreichen Wirtschaftlenkers kratzen, sondern auch der Kanzlerkandidatin Angela Merkel schaden, die im Wahlkampf voll auf den Manager setzt. "Die Konzernleitung nimmt aus politischen Gründen sicherlich Rücksicht auf den Wahltermin", glaubt der stellvertretende Siemens-Aufsichtsratsvorsitzende und Gesamtbetriebsratschef Ralf Heckmann.