Schaeffler wollte ursprünglich Nonne werden
Doch von hier aus hat die 67-Jährige den Familienbetrieb ihres verstorbenen Mannes in einen multinationalen Konzern verwandelt: den zweitgrößten Wälzlagerhersteller der Welt. Vor sieben Jahren schluckte die Gruppe durch eine feindliche Übernahme den viel größeren Rivalen FAG Kugelfischer. Jetzt plant sie im beschaulichen Herzogenaurach ein Geschäft, das zum Deal des Jahres werden könnte. Ihre Schaeffler Gruppe soll für mehr als 20 Mrd. Euro den
Dax -Konzern
Continental übernehmen, den drittgrößten Automobilzulieferer der Welt. Obwohl Continental dreimal so groß ist wie Schaeffler selbst.
Geplant war das so nicht. Mit 15 Jahren will Maria-Elisabeth Kurssa ins Kloster gehen. Doch dann kommt alles ganz anders. Nach dem Abitur studiert sie in Wien Medizin. Dort begegnet sie 1963 einem 24 Jahre älteren Mann: Georg Schaeffler. Der Fabrikant hat zu diesem Zeitpunkt zusammen mit seinem Bruder Wilhelm ein beachtliches Nadellager-Imperium aufgebaut.
Die in Prag geborene Österreicherin bricht ihr Studium ab und folgt dem gewieften Geschäftsmann nach Herzogenaurach. Sie sattelt um auf Betriebswirtschaft, während sich ihr Ehemann weiter in die Arbeit stürzt. Sieben Tage die Woche, von früh bis spät, verbringt er in der Firma. Alles dreht sich ums Geschäft. Auch Maria-Elisabeth nimmt sich kaum noch Zeit für die Universität. Viel lieber begleitet die junge Ehefrau ihren Mann, nimmt an Sitzungen der Geschäftsleitung teil, ist bei Betriebsversammlungen dabei. Später sagt sie: "Ich habe bei ihm 33 Jahre lang eine hervorragende Ausbildung erleben dürfen."
Die kann sie gut gebrauchen. 1996 stirbt ihr Mann, plötzlich muss sie das Unternehmen steuern - allein. Denn der Sohn lebt mittlerweile als erfolgreicher Wirtschaftsanwalt in den USA und hält sich aus dem Tagesgeschäft heraus.