Beck's steht vor der größten Zerreißprobe seiner Geschichte
Beck's steht vor der größten Zerreißprobe seiner Geschichte. Jahrelang ging es für das Bier aus Bremen nur bergauf. Der Absatz in Deutschland stieg 2006 auf über drei Millionen Hektoliter. Beck's setzte die Standards, erfand Beck's Gold, das neue Kunden eroberte: die Frauen. Beck's war wie das Segelschiff im TV-Spot: volle Kraft voraus.
Doch nun erlebt die Erfolgsgeschichte erste Flauten - und heftige Stürme. Der Absatz auf dem Heimatmarkt schrumpft. Die Beck's-Mixbiere werden bedrängt, selbst von kleineren Konkurrenten wie der sauerländischen Familienbrauerei Veltins.
Und dann gibt es da noch ein Problem: die Brasilianer. Seit die Südamerikaner mit an Bord sind, wollen sie Beck's ihre Methoden und Strategien aufzwingen. Dabei werden Lieferanten verprellt, Manager vergrätzt und die Marke beschädigt. Bei dem Traditionsbrauer tobt ein Kulturkampf. "Dieser Konzern versucht zurzeit, ganz unterschiedliche Kulturen zu integrieren", stöhnt ein
Inbev -Manager in Deutschland. Etlichen altgedienten Mitarbeitern hierzulande fiele es schwer, sich an den neuen Stil des riesigen Konzerns zu gewöhnen. Ein Wettbewerber bringt es auf den Punkt: "Die sitzen alle auf gepackten Koffern."
Beck's ist heute eine von vielen Marken unter dem Dach des weltgrößten Bierkonzerns Inbev. Er ist hervorgegangen aus dem Zusammenschluss des belgischen Brauers Interbrew - der Beck's 2001 übernommen hatte - mit dem brasilianischen Ambev. Eine Einheit ist daraus bisher nicht entstanden: Die Brasilianer nennen das Lateinamerika-Geschäft weiter mit dem alten Namen, die Konzernstruktur ist kompliziert.
Dabei hatte alles vielversprechend angefangen im Frühjahr 2004. Damals entschlossen sich die beiden Brauer zur Großfusion, die sie an die Spitze der weltweiten Rangliste der Bierproduzenten katapultierte. Heute braut der Konzern weltweit mehr als 270 Millionen Hektoliter Bier. Er besitzt mehr als 200 Biermarken, ist in mehr als 130 Ländern vertreten; in mehr als 20 Ländern nimmt er die erste oder zweite Position am Markt ein. Im vergangenen Geschäftsjahr setzte der Bierkoloss 14,4 Mrd. Euro um. Imposante Zahlen - etwa im Vergleich zur größten deutschen Braugruppe Radeberger mit 13,7 Millionen Hektolitern und 1,25 Mrd. Euro Umsatz.