Das Siemens-Verwaltungsgebäude in Erlangen
Siemensianer zu sein, das war immer was, vor allem in Erlangen. 104.000 Menschen leben in der Stadt. Hier reiht sich ein Siemens-Gebäude an das andere: Bürohäuser und Werke des Kraftwerksbaus im Süden, ganze Straßenzüge voller Gebäude für die Medizintechnik im Osten, dazu Stromübertragung, Verkehrstechnik, Automation und Antriebstechnik (A&D), Industrielösungen über die übrigen Stadtgebiete verteilt. Inklusive Zulieferern arbeiten etwa 30.000 Menschen für Siemens, das entspricht in Erlangen fast jedem dritten Arbeitsplatz.
Erlangen war immer Siemens-Town.
Heinrich Von Pierer , der langjährige Chef, ist hier geboren und nie weggezogen. 18 Jahre saß er im Stadtrat. Seine ehemaligen Kollegen Erich Reinhardt, Jürgen Radomski und Klaus Wucherer wohnen in Erlangen oder der Region. Auch von Pierers Nachfolger als Siemens-Chef,
Klaus Kleinfeld , ist in der mittelfränkischen Stadt gut bekannt - aus seiner Zeit in der Führung der Medizintechnik. Auf der traditionellen "Bergkirchweih" im Frühjahr traf sich regelmäßig die Konzernspitze. Beim Bier gaben von Pierer und Ex-Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger auch gern mal Autogramme.
Nirgendwo wurde die Siemens-Familie so gelebt wie in der kleinsten Großstadt Bayerns. Von Pierer plauderte in der Kantine mit den Mitarbeitern. Noch heute hat jeder Siemens-Pensionär eine Karte für die Kantine. "Ein Stück weit war Siemens wie ein inhabergeführtes Unternehmen", sagt Konrad Beugel, seit acht Jahren Wirtschaftsreferent der Stadt und ein Siemens-Kind: Sein Vater fing 1960 bei Siemens an und blieb dort bis zur Rente.