Bioromantiker trifft Kapitalismus: Christian Hiß glaubt an einen Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft. Seine Regionalwert AG hält Anteile an Biobetrieben vom Bauernhof bis zum Biomarkt
Herr Hiß, sagten die Bankberater, Sie Sozialromantiker! Sie Weltverbesserer! Die Zeit der kleinen Höfe ist eben vorbei, Landwirtschaft ist eine knallharte Industrie, die Kleinen sind dem Markt nicht gewachsen. Er bekam kein Geld.
Heute ist er geschäftsführender Vorstand einer Aktiengesellschaft mit 2 Mio. Euro Grundkapital, fast 500 Aktionären, Beteiligungen an 16 Unternehmen im Raum Freiburg. Er gründet bereits Ableger in anderen Bundesländern. Bioromantiker trifft Kapitalismus. Die Idee, die er umsetzt, ist exakt die gleiche, mit der er bei den Banken scheiterte: nachhaltige Landwirtschaft für Menschen in der Region.
Sogar einen Preis hat er jetzt dafür bekommen. In Kooperation mit der Unternehmensberatung Boston Consulting Group und der Financial Times Deutschland kürte ihn die Schwab-Stiftung für seine Regionalwert AG zum Social Entrepreneur 2011. Weil er ein großes Problem anpacke, das in der gesellschaftlichen Diskussion noch nicht angekommen sei, urteilte die Jury. Sogar die Kanzlerin hat nach der Preisverleihung seine Hand gedrückt und er seine Firmenbroschüre in ihre.
Nicht die Welt ist in diesen elf Jahren besser geworden. Sondern Christian Hiß. "Ich habe nicht gesagt, Scheißkapitalismus, und habe dann aufgegeben, sondern gelernt, mit seinen Instrumenten zu arbeiten. Jetzt kann mich niemand mehr als Sozialromantiker abtun." Der 50-Jährige will nichts weniger als einen Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft. Und was er sich ausgedacht hat, könnte ein Modell für viele deutsche Regionen sein.