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17.04.2010, 19:05
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Fujitsus großer Schnitt
Vor wenigen Monaten trat Konzernchef Kuniaki Nozoe zurück. Traditionell verläuft so eine Trennung in Japan leise. Doch diesmal gibt es eine Schlammschlacht. Es geht um Verrat, Ehre und Verstrickungen mit der Mafia.
von Martin Kölling, Tokio
Mittwoch, 16 Uhr,
Fujitsu -Hauptquartier in Tokio. Michiyoshi Mazuka sitzt steif auf seinem Stuhl, die Hände auf den Knien, das Gesicht starr wie eine Maske. Vor dem Vorstandvorsitzenden baut sich eine Wand aus Kameraobjektiven auf, mehr als 200 Journalisten löchern ihn mit Fragen, rüde, provozierend. Wer lügt innerhalb der Führungsriege eines der größten Konzerne des Landes? Was ist wirklich vorgefallen, damals, im Herbst 2009? Stimmen die Vorwürfe über Lügen und Intrigen? Und immer schwingt die Frage mit: Welche Rolle spielt bei all dem die Yakuza, die japanische Mafia?
Mazuka laviert vorsichtig, weicht aus, bleibt äußerlich ungerührt. Tatemae heißt das auf Japanisch, Maskerade. Es ist Teil der japanischen Kultur: Man muss nach außen die Fassung bewahren, egal wie sehr es innen brodelt. Selbst jetzt noch.
Fujitsu Vorstandschef Michiyoshi Mazuka
Dabei hat das, was sich rund um Fujitsu abspielt, längst nichts mehr mit der sonst so wichtigen Harmonie, mit den alten Traditionen und Ritualen in Japans Wirtschaft zu tun. Gegenseitige Beschuldigungen werden sonst so gut wie nie öffentlich ausgetragen. Lieber werden Risse im "Wa", in der gesellschaftlichen Harmonie, mit Notlügen und Schweigen überdeckt. Nun aber geht es vor aller Augen um schwere Vorwürfe, um Verstrickungen mit der Mafia, um verletzte Ehre und Verrat. Eine beispiellose Schlammschlacht.
Überraschend war im September 2009 der Konzernchef Kuniaki Nozoe von seinem Amt zurückgetreten, "aus gesundheitlichen Gründen", wie Fujitsu damals mitteilte. Die Sache schien klar, Abgänge von Topmanagern sind in Japan immer leise, so will es der Kodex. Im Selbstverständnis der Manager ist es wie eine letzte Loyalitätsbekundung gegenüber dem eigenen Unternehmen, dem sie oft über Jahrzehnte gedient haben.
Der ehemalige Fujitsu-Präsident Kuniaki Nozoe
Doch vor ein paar Wochen meldete sich Nozoe in der Öffentlichkeit: Der Manager drohte, Fujitsu zu verklagen. Er sei mit üblen Unterstellungen zum Rücktritt gezwungen worden. Nun will er seine Ehre retten und Schadensersatz für die Rufschädigung. Fujitsu konterte und unterstellte Nozoe Kontakte zu einem Unternehmen mit Verbindungen zu "antigesellschaftlichen Kräften", ein Euphemismus für das organisierte Verbrechen.
Das Drama begann im Jahr 2008. Fujitsu steckte in der Krise. Wieder einmal. Die Strukturreformen kamen nicht so recht voran, dem Konzern drohte der Absturz. Ein harter Sanierer sollte her, der den Wandel vom japanischen Hardware- zu einem globalen Anbieter von Computerservern für Datenzentren, verbundene Software und IT-Dienstleistungen vollenden konnte.
Teil 2: Ein grimmig dreinblickender Mann baut um
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Aus der FTD vom 18.04.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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