Der chinesische Bedarf an Schokolade treibt den Preis der Süßigkeit nach oben
Seit sieben Jahren entwickelt der oberste Maître chocolatier bei Lindt & Sprüngli neue Schokoladen und demonstriert sein Handwerk auf der ganzen Welt. Nächstes Jahr will der Schweizer nach China, um dort in Einkaufszentren seine Produkte zu verkosten. "Wir wollen dort die Liebeserziehung übernehmen", sagt er voller Pathos. Und weil es auf Französisch besser klingt, schiebt er nach: "L'éducation sentimentale. Die Chinesen haben keine Schokoladentradition, aber sie kommen langsam auf den Geschmack."
Der "Hunger auf den Westen" wie die Zeitung "China Daily" kürzlich titelte, wird immer mehr zum Heißhunger auf Schokolade. Zwischen Januar und Mai importierte China doppelt so viel Schokolade wie im Vorjahr. Erst trieb Chinas wachsender Bedarf die Preise von Stahl in die Höhe, dann die von Erdöl, Weizen und Milch. Jetzt muss sich die ganze Welt darauf einstellen, dass sie künftig mehr für Schokolade zahlen muss, weil die Nachfrage aus dem Osten kräftig anzieht.
Wachsender Appetit der aufstrebenden Volkswirtschaften
Profiteur der Entwicklung sind vor allem die international agierenden Lebensmittelkonzerne. "Der chinesische Markt hat großes Potenzial", sagt Maurizio Decio, stellvertretender Leiter des Asiengeschäfts bei Barry Callebaut. Der weltgrößte Schokoladenlieferant auf der anderen Seite des Zürichsees produziert vor allem für Industrieabnehmer wie
Nestlé , Mars oder Cadbury und stellt sich auf den wachsenden Appetit der aufstrebenden Volkswirtschaften ein. Bis 2010 will das Unternehmen seinen Absatz in Osteuropa und Asien verdoppeln.