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Merken   Drucken   08.09.2010, 08:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Indiens Patriarch ist ein Auslaufmodell

Der größte Konzern des Schwellenlandes sucht nach einem Nachfolger für den Unternehmenschef Ratan Tata. Erstmals könnte ein familienfremder Kandidat zum Zug kommen. Das wäre eine Sensation für das Land, in dem Clans traditionell den Ton angeben - und der Beginn einer neuen Ära. von Joe Leahy, Mumbai
Ratan Tata  hat es Tricks zu verdanken, dass er noch mit 72 Jahren Chef des größten indischen Firmenkonglomerats sein darf. In den Statuten der Tata-Gruppe ist festgeschrieben, dass der Chairman mit 65 seinen Posten räumen muss. Vor acht Jahren kam das Board des Mutterkonzerns Tata Sons deshalb im Hauptquartier in Mumbai zusammen, um über einen Nachfolger für den Fastpensionär zu entscheiden. Die Mitglieder hielten Ratan Tata jedoch für unersetzlich und benannten seinen Posten einfach um - in "Non-Executive Chairman".
Als 2005 die Frage nach einem Nachfolger wieder im Raum stand, verschob das Gremium die Entscheidung abermals, indem es das Pensionsalter des Non-Executive Chairman auf 75 Jahre erhöhte. Die Firmengruppe hatte damals das erste ausländische Unternehmen gekauft und entwickelte sich gerade zu einem internationalen Konzern. "Daher wurde entschieden, dass Tata noch einmal fünf Jahre weitermachen sollte", erinnert sich einer, der bei der Entscheidung dabei war.
Tata-Group-Vorsitz Ratan Tata   Tata-Group-Vorsitz Ratan Tata
In zwei Jahren steht Ratan Tatas Pensionierung wieder einmal an - doch diesmal stehen die Dinge anders. Im August teilte die Tata-Gruppe mit, sie habe ein Komitee gegründet, das nach einem Nachfolger Ausschau halten soll.
Der Sinneswandel bei Tata hat in Indien eine Debatte angestoßen, wie die Unternehmenslandschaft im 21. Jahrhundert aussehen sollte. Die Frage, wie die Topjobs in den Konzernen vergeben werden, wird als wichtiger Faktor dafür gesehen, welche Rolle Indien künftig in der Weltwirtschaft spielen wird.
Bei Tata gäbe es einen naheliegenden Kandidaten für die Leitungsfunktion: Noel Tata, den Halbbruder des jetzigen Chefs. Doch die Gruppe hat sich festgelegt, dass sie auch Kandidaten außerhalb der Familie in Betracht ziehen will, darunter indische Topmanager, die im Ausland arbeiten, und sogar Angehörige anderer Nationalitäten.
Für ein Land, in dem die Wirtschaft seit Langem von einflussreichen Familien kontrolliert wird, wäre ein Ausländer an der Spitze eines Unternehmens wie Tata, das von Stahl über Autos bis zu IT-Dienstleistungen alles Mögliche anbietet, eine Sensation.

Teil 2: Besser als China

  • Aus der FTD vom 08.09.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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