Raffinerie in Chalmette, Louisiana
Ken Fords Vertrauen zu seinem Nachbarn zerbrach mit einem Anruf. Der Rentner aus Chalmette im US-Bundesstaat Louisiana wohnt 400 Meter von einer Erdölraffinerie entfernt, die
Exxon Mobil und das Staatsunternehmen PDVSA aus Venezuela gemeinsam betreiben. Dort sei alles in bester Ordnung versicherte ihm die Stimme an der Info-Hotline, die Produktion laufe störungsfrei. Dabei kam der 68-Jährige gerade vom Zaun der Anlage zurück, wo er Fotos gemacht hatte. Weil ein Teil des Betriebs schon seit Stunden in Flammen stand. "Seitdem glaube ich den Leuten von der Raffinerie kein Wort mehr", sagt Ford, "sie zeigen überhaupt keine Verantwortung."
Ford engagiert sich in einer Bürgerinitiative gegen die Raffinerie in Chalmette. Überall im Land sorgen sich Bürger wegen der Fabriken. Sie sind veraltet, schmutzig und an den Grenzen ihrer Leistung. In den vergangenen Wochen häuften sich die Zwischenfälle. Bisweilen explodierten sogar die Anlagen, wie die BP-Raffinerie in Texas City im März. Dabei starben 15 Menschen, 170 wurden verletzt.
Doch die veralteten Raffinerien sind nicht nur verantwortlich für Katastrophenmeldungen, sie sind auch eine Hauptursache für die ständig steigenden Spritpreise. Seit 1976 wurde in den USA keine neue Raffinerie gebaut. Ein Versäumnis, dass sich jetzt rächt.