Eine Märklin-Modellbahn
Katastrophen gab es bisher nur in der Firmenzentrale. Über Jahre hinweg haben zerstrittene Erben und unfähige Manager die Firma herabgewirtschaftet. Nun der Todesstoß, und die Totengräber streiten sich: Die Banken waren ängstlich und stur, sagen die einen. Einer der Investoren hat Märklin ausgenommen, die anderen.
So sehr wurden Märklins Chefs von dem Desaster überrascht, dass sie vergaßen, eine Pressemitteilung zu stoppen. "Auf der Erfolgsschiene ins Jubiläumsjahr. Zum 150. Jahr der Firmengründung überrascht Märklin mit zwei historischen Raritäten - zeigt sich aber auch für die Zukunft gut gerüstet." Herausgegeben wurde die Meldung Mittwochmittag, 13 Minuten nach der Pleitenachricht, von einer Agentur, die Märklin auf der Nürnberger Spielwarenmesse betreut.
Ihren Fehler bemerkte die Agentur schnell. Die Katastrophe hatte sich sofort auf der Messe herumgesprochen. Mit erschreckten Gesichtern drängten Kunden und Händler zum Märklin-Stand: "Stimmt das? Ist Märklin insolvent?" - "Kann ich nun nichts mehr bestellen?"