Heinrich von Pierer (r.) und Klaus Kleinfeld: Zwei eng verbundene Biografien lösten sich voneinander
Zufall oder nicht - es ist ein zartes Band, das beide Ereignisse verbindet, und dahinter verbirgt sich die Geschichte eines großen Skandals und einer Tragödie, die in der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte ihresgleichen sucht. Jahrelang waren die Biografien der beiden Siemens-Manager, die Jahrzehnte in dem Münchner Konzern verbracht haben, eng verwoben: Kleinfeld, der ehrgeizige Aufsteiger, der Wunderknabe aus Amerika, der Mann für die schwierigen Fälle. Und von Pierer, der Übervater, der honorige Konzernlenker, der staatsmännische Manager. 2005 wird Kleinfeld Vorstandschef, von Pierer wechselt an die Spitze des Aufsichtsrats. Die Harmonie zwischen beiden hält leider nicht lange, auch wegen des forschen Vorgehens des Jüngeren.
Im April 2007 schließlich stürzen und stolpern beide innerhalb von sieben Tagen über die Korruptionsaffäre, zuerst von Pierer, dann Kleinfeld.
Und nun, ein Jahr später, steht Kleinfeld wieder ganz oben. Er führt den drittgrößten Aluminiumkonzern der Welt. Ein US-Unternehmen, im Dow Jones notiert - als einziger Deutscher. Es ist ein doppelter Triumph: Denn Kleinfeld war bei Siemens gegangen, weil der Aufsichtsrat seinen Vertrag nicht verlängern wollte. Siemens-Aufseher
Gerhard Cromme sah "wegen ernster Bedenken der US-Behörden" ein hohes Risiko. Alcoa hat diese Bedenken offenbar nicht mehr. Für Kleinfeld scheint die Korruptionsaffäre endgültig graue Vergangenheit.
Auf der anderen Seite von Pierer: Selten zuvor ist ein Manager tiefer gefallen und so auf Raten demontiert worden. Immer neue Vorwürfe werden bekannt über Fälle, in denen Bestechung mit Billigung oder gar auf Anordnung von Pierers stattgefunden hat. Der jüngste Schlag: Mitte April lässt Bundeskanzlerin Angela Merkel von Pierer fallen und schasst ihn als Chef des Innovationsrats der Regierung.
Zwar ist die Nachricht, dass die Staatsanwaltschaft trotz der belastenden Zeugenaussagen kein strafrechtliches Ermittlungsverfahren einleitet, eine Erleichterung. Doch auch das jetzige Verfahren ist für den stolzen Franken ein Schlag.