Angestellete von Siemens verlassen das Firmengelände des Unternehmens in München
Der Vorstoß ist in jedem Fall mutig. Zwar sind sich Experten einig, dass Mobbing am Arbeitsplatz weitverbreitet ist, Existenzen zerstört und enorme betriebs- und volkswirtschaftliche Schäden verursacht. Gerichtlich dagegen vorzugehen ist in Deutschland äußerst schwierig. Früher waren Fälle wie der von Sedika Weingärtner Arbeitsrechtsprozesse. Seit 2006 gibt es das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG), das Diskriminierung und Benachteiligung aufgrund des Geschlechts, Alters oder der Herkunft verbietet und nun gern für solche Fälle herangezogen wird.
"Die meisten Menschen werden nach jahrelangen Arbeitskonflikten ängstlicher, depressiver. Das ist so ein Ohnmachtsgefühl", sagt Harald Ege, Arbeits- und Gerichtspsychologe. Der einzige bisher öffentlich gewordene Fall liegt fünf Jahre zurück: Eine Angestellte der R+V Versicherung verklagte das Unternehmen wegen Diskriminierung und erstritt 11.000 Euro. Doch die meisten Fälle enden in einem Vergleich und kommen selten an die Öffentlichkeit.
Auch Sedika Weingärtner hat sich im vergangenen Sommer auf einen außergerichtlichen Vergleich eingelassen, den sie aber wenig später widerrufen hat. Seitdem kämpft sie wieder. In aller Öffentlichkeit. "Zufrieden gebe ich mich erst", sagt sie, "wenn ich die Gesellschaft sensibilisiert habe, dass hier ein Problem ist."
Sedika Weingärtner flieht 1991 ohne Mann mit ihren drei Kleinkindern aus Afghanistan nach Deutschland. In ihrer Heimat arbeitete die damals 26-Jährige als Fernsehjournalistin, hier muss sie wieder von vorn anfangen. Das gelingt ihr gut. Sie heiratet einen Kunsthistoriker, lernt schnell Deutsch und einen neuen Beruf.