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Merken   Drucken   10.07.2009, 08:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Ozeankrise

Dossier Die Flaute in der Containerschifffahrt nimmt groteske Formen an. Selbst die größte Reederei der Welt verliert jeden Tag 6 Mio. $. Jetzt müssen die Kapitäne von Maersk Line sparen - und der Besatzung die Servietten streichen. von Nicole Basel (Bremerhaven/Kopenhagen)
Lars Peter Jensens Antwort auf die Wirtschaftskrise passt auf einen weißen Zettel - 30 Zentimeter hoch, 21 breit. "Attention" steht groß über der Auflistung. Mit Tesafilm hat Jensen das Stück Papier in den Fahrstuhl geklebt. "Arbeitshandschuhe erst wegschmeißen, wenn sie kaputt und nicht nur dreckig sind", steht da zum Beispiel. "Nur volle Waschtrommeln anwerfen." Oder: "Licht aus!" Jensen muss sparen.
Eigentlich schreibt Lars Peter Jensen keine kleinen Zettel. Er ist eher der Mann für große Aufgaben. Unter seinem Kommando fährt die "Estelle Maersk" - 100.000 PS, geschätzte Baukosten 150 Mio. $, Kapazität 11.000 Standardcontainer. Das Flaggschiff der dänischen Reederei Maersk Line ist damit das größte Containerschiff der Welt. Seit 37 Jahren fährt der Däne als Kapitän zur See. Aber so etwas wie jetzt, das habe er noch nie erlebt. Sein Blick schweift von der 50 Meter breiten Kommandobrücke über das Deck. Normalerweise stapeln sich die Container so hoch, dass er das Meer erst einige Hundert Meter vor dem Schiff einsehen kann. Jetzt ist sein Blickfeld frei.
Bilderserie Bilderserie: Maersk - Sparzwang auf Superfrachtern
Jensens Arbeitgeber, die Maersk Line, ist ein Mythos auf dem Meer. Verlässlichkeit und Präzision, dafür stehen die Dänen seit Jahrzehnten. Und für Profit. Zweitstellige Wachstumsraten - keine Seltenheit in der Vergangenheit. Was die dänische Reederei auch macht, es ist wegweisend in der Branche. Als die "Estelle" und ihre sieben Schwesterschiffe auslaufen, bestellt der größte Konkurrent, MSC, sofort auch ein paar Riesenfrachter. "Die Branche orientiert sich ganz klar am Marktführer", sagt Dirk Visser von der Ratingagentur Dynamar.
30 Jahre lang durchlebte die Containerschifffahrt einen Wirtschaftstraum. Allen voran strebte die Maersk Line zu immer neuen Rekorden. 2008 machte das Unternehmen noch 205 Mio. $ Gewinn - und das trotz der missglückten Übernahme von P&O Nedlloyd. Doch in diesem Jahr werden die Frachtvolumen laut Drewry Shipping Consultants um zehn Prozent fallen.
Dass die Reederei durch die Wirtschaftskrise jetzt selbst erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg in schwere See gerät, ist für die Konkurrenz ein Zeichen, die Rettungswesten anzulegen. Allein im ersten Quartal 2009 hat Maersk 559 Mio. $ Verlust gemacht - mehr als 6 Mio. $ Tag für Tag. Die Reederei wird nun zur Belastung für die Muttergesellschaft A.P. Möller. Zu dem Imperium gehört Dänemarks größte Supermarktkette sowie ein Öl- und Gasproduzent. 2008 trug A.P. Möller mit einem Umsatz von 52 Mrd. $ mehr als 16 Prozent zum dänischen Bruttoinlandsprodukt bei. Und jetzt muss Kapitän Jensen Anweisungen geben, wie centweise gespart werden kann.
An Bord der Containerschiffe der Emma-Maersk-Klasse regiert der ...   An Bord der Containerschiffe der Emma-Maersk-Klasse regiert der Rotstift. Die Kapitäne sollen im Wettbewerb die Kosten senken
Verantwortlich dafür ist Eivind Kolding. Vor dem Büro des CEO der Containerreederei in Kopenhagen steht ein Containerschiff aus Lego, einem anderen Exportschlager Dänemarks. Kolding weiß, dass die Maersk-Schiffe auf den Ozeanen nicht annähernd so voll beladen sind wie sein Lego-Schiff. Über 1 Mrd. $ will Kolding dieses Jahr einsparen. In allen Bereichen, wie er sagt. Das Personal habe er bereits um 20 Prozent reduziert. Kolding weiß auch, dass an den hohen Verlusten nicht nur die Krise schuld ist. Mit der Übernahme von P&O Nedlloyd hat er sich kräftig verhoben. 2,3 Mrd. $ zahlte Maersk 2005 für die damals drittgrößte Reederei der Welt. Doch mit der Integration waren die Dänen organisatorisch überfordert.

Teil 2: Kolding muss die Kosten senken

  • Aus der FTD vom 10.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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